Lebenslinien / Fragen

Ich hab’ da mal ne Frage …

Manchmal habe ich den Eindruck, dass in der öffentlichen Diskussion heutzutage Glück als Menschenrecht dargestellt wird. Ist es eins?

Lieber Ratsuchender,
oh ja – wer wollte nicht glücklich sein? Lieder besingen es, Gedichte ersehnen es, Reden beschwören es, das Glück. Doch persönlich merke ich, dass ich eher selten sage: „Da war ich glücklich“. „Zufrieden“, „dankbar“, „einverstanden mit meinem Leben“, das geht mir leichter von den Lippen. Glücklich erinnere ich oft Momente innigster Verbundenheit mit Menschen, mit der Natur, in der Musik. Momente in denen die Zeit stillsteht und die sich anfühlen wie Ewigkeit. Da reizt der Wunsch: Augenblick, verweile doch, du bist so schön. Doch diese Momente kann ich nicht festhalten, so wenig wie ich sie machen kann.

Es stimmt schon: Die Sehnsucht nach Glück, sie ist menschlich. Das Streben nach Glück gehört zu uns, so wie es die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auch schon sagt. Zum Erleben von Glück jedoch kommt neben meinem Streben etwas unerwartetes Geschenkhaftes von woanders her hinzu. Daher, so glaube ich, verheben wir uns, wenn wir ein Recht auf Glück einklagen – bei wem denn? Bei uns selbst oder bei unseren Mitmenschen? Da würden wir uns und die anderen überfordern. Vielleicht ist es passender, zu staunen über Zeiten des Glücks, sie zu verkosten und dankbar zu erinnern.

Herzlichst, Ihr Olaf Meier

Olaf Meier ist Theologe und Psychologe. Er leitet die ökumenische TelefonSeelsorge Duisburg  Mülheim Oberhausen.

Die TelefonSeelsorgen des Bistums Essen gibt es  in Bochum, Duisburg und Essen. Sie sind rund um die Uhr erreichbar.

TelefonSeelsorge. Kostenfrei 365 Tage erreichbar.

0800 111 0 111 und 0800 111 0 222.

Anonym. Kompetent.  

Rund um die Uhr.

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