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Muss die Kirche jetzt sparen, Herr Beckmann?

Daniel Beckmann ist Leiter der Finanzabteilung des Bistums Essen, Foto: Nicole Cronauge

BENE: Herr Beckmann, 2018 sind die Kirchensteuer-Einnahmen gestiegen, trotzdem konnte das Bistum Essen nur einen Mini-Überschuss von 500.000 Euro zur Seite legen – nach 17 Millionen Euro im Vorjahr. Wo ist das Geld geblieben?

Daniel Beckmann: Unsere Ausgaben sind so stark gestiegen, dass wir dies kaum durch die gestiegenen Einnahmen ausgleichen konnten. Letztlich geht es unserem Bistum wie jedem Privathaushalt: Wie Sparer bekommen auch wir derzeit kaum Zinsen auf unsere Geldanlagen für die Altersvorsorge unserer Priester und anderer Angestellten. Um die Versorgung zu sichern, müssen wir diesen „Topf“ mit Geld aus laufenden Einnahmen füllen. Ein zweiter großer Kostenfaktor waren 2018 die Bauarbeiten an den Kirchgebäuden und Schulen. Wie viele Privatleute sind auch wir hier ein „Opfer der guten Baukonjunktur“ und müssen nicht nur lange auf Handwerker warten, sondern auch oft mehr Geld bezahlen als erwartet.

Warum sind die Einnahmen überhaupt gestiegen? Es treten doch jedes Jahr viele Leute aus der Kirche aus.

Beckmann: 2018 sind mit mehr als 5.500 Männern und Frauen sogar besonders viele Menschen ausgetreten. Die Kirchensteuer-Einnahmen steigen dennoch, weil durch die gute Wirtschaftslage viele Menschen beschäftigt sind – und in vielen Branchen auch relativ gut verdienen. Wer viel verdient, zahlt viele Steuern. Und weil jeder
steuerzahlende Katholik bei uns auf Lohn-, Einkommen- und Kapitalertragsteuer neun Prozent Kirchensteuer bezahlt, profitieren wir auch als Kirche davon. Allerdings zahlen im Bistum Essen nur rund die Hälfte der Kirchenmitglieder überhaupt Kirchensteuer. Zudem kommen 75 Prozent der Kirchensteuer-Einnahmen von 15 Prozent der Kirchenmitglieder. Viele von ihnen gehören zu den „Babyboomern“, den geburtenstarken Jahrgängen, die in der Wirtschaftswunderzeit geboren wurden und jetzt in der Blüte ihres Berufslebens stehen.

Aber die „Babyboomer“ gehen bald in Rente …

Beckmann: Genau, dann stehen uns voraussichtlich spürbar weniger Kirchensteuer-Einnahmen zur Verfügung, weil die Lücke, die die „Babyboomer“ hinterlassen, nicht durch nachrückende Katholiken-Generationen geschlossen wird. Auch die schrittweise Erhöhung der Steuern auf Renten wird die Bistums-Bilanz nicht ausgleichen.

Was bedeutet das für das Ruhrbistum?
Beckmann: Das Bistum Essen setzt den Kurs der vergangenen Jahre fort: Wir setzen uns einerseits kleiner und investieren andererseits in innovative Angebote. Das Kleinersetzen, insbesondere das Schließen von Kirchen, ist für viele, die zum Beispiel ihre vertraute Gemeindekirche verlieren, ein großer Verlust. Aber insgesamt führt für uns kein Weg daran vorbei, schließlich sind wir heute nur noch halb so viele Katholiken wie zur Bistumsgründung 1958. Genauso wichtig wie das Kleinersetzen ist aber die Weiterentwicklung unseres Bistums. Denken Sie an die 2018 eröffnete Kinderkirche in Bottrop oder an die vielen Projekte rund um unser Zukunftsbild, mit denen wir versuchen, den Menschen auf zeitgemäße Art von der frohen Botschaft unseres Glaubens zu erzählen. Solche Projekte scheitern selten am Geld, ganz im Gegenteil: Über den Innovationsfonds oder über unser Gründerbüro haben wir eigens Fördermöglichkeiten für gute Ideen in den Pfarreien vor Ort geschaffen.

Das Gespräch führte Thomas Rünker.

Den kompletten Finanzbericht des Bistums Essen und viele Hintergrund-Informationen gibt es im Internet unter finanzen.bistum-essen.de