Betrifft

Den Menschen auf der Insel Lesbos jetzt helfen

EVAKUIEREN – JETZT

„Die Patientin, die mir heute gegenübersitzt, stammt aus Syrien und ist im fünften Monat schwanger. Sie hat Schmerzen und blutet ein wenig. Ich kann sie nach der Untersuchung beruhigen, dem Baby geht es gut. Allerdings muss sie irgendwie versuchen, sich etwas zu schonen und sich häufiger hinzulegen. Sie seufzt. Wie soll sie das schaffen? Ihr Zelt steht direkt am Meer, und die beiden kleinen Kinder sind ständig in Gefahr.“

Die Ärztin Friederike Lutz schildert diese erschütternde Szene aus dem Flüchtlingslager Moria 2 auf der griechischen Insel Lesbos – und kann viele weitere ergänzen. Vier Monate lang hat sie dort im Freiwilligendienst gearbeitet, hat Menschen im Ausnahmezustand erlebt, Frierende, Verzweifelte, Vergewaltigte. In dieser Zeit war Lutz auch Ansprechpartnerin der Caritas Essen, die sich mitverschiedenen Initiativen für die Menschen in Moria einsetzt.

„Das Thema Moria rutscht immer wieder aus den Medien raus. Es erscheint nur dann wieder in der Öffentlichkeit, wenn etwas Schlimmes passiert. Zum Beispiel als das Feuer letztes Jahr ausbrach und das ursprüngliche Lager zerstörte. Aber in Wahrheit passiert dort täglich etwas Schlimmes“, sagt Claas Jörges eindringlich. Der 34-Jährige leitet die Flüchtlingswohnheime der „cse“, einer gemeinnützigen GmbH des Caritasverbandes und des Sozialdienstes katholischer Frauen in Essen. Im vergangenen Jahr war er selbst einmal auf Lesbos, um sich ein Bild zu machen. Über das neue Camp – auch als „Kara Tepe“ bekannt –, das nach dem Brand an anderer Stelle errichtet wurde, weiß er: „Das Lager ist auf sandigem Boden gebaut und total matschig. Die Leute können dort nichts machen, entwickeln schwere Lungenentzündungen und psychische Krankheiten.“ Er fragt sich: „Warum kriegt man es nicht auf die Reihe, 7.000 Leute so zu verteilen, dass sie irgendwo unter menschlichen Bedingungen warten können, bis ihr Asylantrag geprüft wurde?“

„Evakuieren jetzt!“ ist die Forderung vieler engagierter Menschen in Deutschland. Unter diesem Schlagwort finden sich einige Initiativen in den sozialen Netzwerken. Eine ist „Post aus Moria“. Mit dieser digitalen Mahnwache will die Essener Caritas „den Geflüchteten eine Stimme“ geben: Regelmäßig werden öffentlich Briefe aus dem Lager vorgelesen und via Facebook und Instagram präsentiert (#postausmoria). Die Worte von Lesbos gehen unter die Haut.

„Liebe Europäer“, schrieb etwa kürzlich eine Frau, „wir haben unsere geliebten Länder, die unsicher für uns waren, in der Hoffnung verlassen, ein sicheres Leben zu finden. Irgendwie haben wir es geschafft, uns und unsere Kinder zu retten, aber wir verlieren unsere körperliche und vor allem unsere psychische Gesundheit, weil unsere Zukunft so unklar ist. Wir flehen um eure Aufmerksamkeit und eure Hilfe.“ Alle Verfasser der Briefe bleiben anonym, damit sie keine negativen Auswirkungen auf ihre Asylverfahren durch die örtlichen Behörden fürchten müssen.

„Es muss jetzt etwas passieren in Moria 2, in Bosnien und an weiteren Stellen an den Außengrenzen der EU. Wir brauchen ganz konkret eine menschenwürdige Unterbringung und Versorgung“, appelliert der Essener Caritasdirektor Björn Enno Hermans. „Es geht um Humanität, Mitmenschlichkeit, Menschenwürde und christliche Verantwortung. Eine Politik der Abschreckung durch solche Zustände mit dem scheinbaren Ziel, so ,Anreize‘ zur Flucht nach Europa zu minimieren, ist aus meiner Sicht ethisch nicht zu vertreten. Dass es – gemeinsame europäische – Lösungen braucht, steht außer Zweifel, aber sicher nicht auf Kosten von Menschen, die sich bereits in Europa befinden“, macht Hermans klar.

Spenden – und den Verantwortlichen Druck machen!

Durch Geldspenden können die Partner der Caritas Flüchtlingshilfe Essen in Moria die Menschen mit dem Nötigsten versorgen – etwa mit Lebensmittelgutscheinen für einen Supermarkt in der Nähe des Camps oder mit wettergerechter Kleidung – in den regnerischen letzten Monaten waren es zum Beispiel Gummistiefel.

Das Spendenkonto der Caritas Flüchtlingshilfe Essen bei der Bank im Bistum Essen lautet: DE45 3606 0295 0000 1026 28. Der Verwendungszweck: Ein Herz für Moria.

Und auch das kann man von Deutschland aus tun: laut werden für die Menschen in Moria. Je mehr ihre Stimme erheben, desto größer der Druck auf die Verantwortlichen. Zum Beispiel durch einen Brief an die neue griechische Botschafterin in Berlin, Maria Marinaki. Darin könnte man etwa schreiben:

Sehr geehrte Frau Botschafterin,

ich wende mich wegen der unhaltbaren Zustände im Camp Moria 2 auf der Insel Lesbos an Sie. Ich fordere Sie auf, dass Ihre Regierung das Camp sofort evakuiert. Die Bewohnerinnen und Bewohner müssen in trockene, wetterfeste und hygienisch einwandfreie Unterkünfte gebracht werden. Zudem brauchen NGOs* einen freien Zugang zu ihnen. Darüber hinaus soll es eine unabhängige Überprüfung aller Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln geben, um die Einhaltung der EU-Aufnahmenorm 2003/9/EG zu kontrollieren und gegebenenfalls Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten.“ (*NGO steht für „Non-Governmental Organization“ = Nichtregierungsorganisation.)

Postanschrift: I. E. Die Botschafterin der Hellenischen Republik
Griechenland in Deutschland, Frau Maria Marinaki,
Kurfürstendamm 185, 10707 Berlin

E-Mail: Ambassador-Office_berlin@mfa.g

Text Sandra Gerke

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