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Kindheit mit einem dementen Vater

(c)Jeanne

Dezember 2022

 

5 Fragen an... Andrea Sawatzki

ALS KIND PFLEGE SIE IHREN DEMENTEN VATER

Andrea Sawatzki ist nicht nur im Filmgeschäft eine feste Größe. Sie hat sich auch als Autorin einen Namen gemacht. In ihrem aktuellen Buch „Brunnenstraße“ arbeitet sie die Zeit mit ihrem dementen Vater auf. Schon als Zehnjährige musste sie den Mann, den sie als jähzornig und launisch beschreibt, pflegen. Wie sie das geprägt hat, erzählte sie bei einer Fachtagung zum Thema Demenz im Hörsaalzentrum des St. Josef-Hospitals in Bochum. Nach der Veranstaltung gab sie BENE ein Interview.

BENE: Frau Sawatzki, Sie sind als Kind weit über Ihre Grenzen hinaus gegangen. Sie mussten Ihren Vater wochenlang allein pflegen, ihm Essen geben und ihn waschen. Wie haben Sie das geschafft?

Andrea Sawatzki: Ich habe das Gefühl, dass Kinder in solchen Situationen keine Vergleichsmöglichkeiten haben. Bei mir war das zumindest so. Ich hatte keinen Zugang zu anderen Familien. Mein Bestreben war es, meiner berufstätigen Mutter zur Seite zu stehen. Ich wusste, dass unser Familiengebilde zusammenbricht, wenn ich nicht mehr mithelfe.

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass Sie irgendwann so erschöpft waren, dass Ihre sonst immer sehr guten Leistungen in der Schule nachließen und Sie eine Klasse wiederholen mussten.  Der Gedanke, wie es wohl sei, wenn Ihr Vater tot wäre, kam Ihnen immer wieder.

Dieser Gedanke löste ein schweres Schuldgefühl bei mir aus. Irgendwann habe ich halt gespürt, dass meine Kräfte schwinden. Die Sehnsucht nach Ruhe wurde unermesslich groß. Ich habe überlegt, wie ich der Situation entkommen kann.

Wie haben die anstrengenden Jahre an der Seite ihres Vaters, der inzwischen verstorben ist, Sie geprägt?

Ich habe die Zeit mit meinem Vater ausgeblendet, bis ich 35 war und Mutter wurde. Erst dann habe ich gespürt, dass ich an die dunklen Flecken meiner Kindheit mit therapeutischer Hilfe „ranmuss“, um selbst eine gute Mutter werden zu können.

Warum haben Sie das Buch gerade jetzt geschrieben?

Als meine Mutter vor zwei Jahren starb, habe ich Briefe von meinem Vater gefunden, in denen steht, wie sehr er mich liebt. Das war mir nicht klar. Diese Briefe haben mir die Kraft gegeben, über unsere kleine Familie, die an der Krankheit meines Vaters fast zugrunde ging, zu schreiben.

Sie haben mit Ihrem Schauspielkollegen Christian Berkel längst eine eigene Familie gegründet. Wie feiern Sie Weihnachten?

Unsere Söhne sind schon aus dem Haus. Ich freue mich darauf, sie an Weihnachten wiederzusehen. Das Fest ist für uns ein glückliches Zusammentreffen. Wir sind eine sehr innige Familie. Wenn wir zusammen sind, ist es immer sehr schön.

Das Gespräch führte Kathrin Brüggemann

 

Kinder mit demenzkranken Eltern
Die Alzheimer Gesellschaft Bochum e. V, das LWL-Universitätsklinikum Bochum und der Jugendhilfe-Verein St.  Vinzenz haben das Hilfsprojekt KIDSDEM ins Leben gerufen. Es richtet sich an 13- bis 21-Jährige, die von den massiven Auswirkungen der Demenzerkrankung eines Elternteils betroffen sind. Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie auf www.kidsdem.de

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