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Foto: © Marvin Stroeter

März 2026

„MUSIK IST  WEIT MEHR ALS  UNTERHALTUNG“

6 FRAGEN AN … MICHAEL PATRICK KELLY

Er war gerade einmal zehn Tage alt, als er das erste Mal auf dem Arm seiner Mutter an einer TV-Show teilnahm. „Ab da wurde die Bühne für mich mein Spielplatz“, sagt Michael Patrick Kelly (48). Als „Paddy“ schrieb er mit  15 Jahren seinen ersten internationalen Hit und wurde in den Neunzigern als Frontman der Kelly Family zum  Teenieschwarm. Vom Gipfel des Ruhms zog er sich dann aus der Öffentlichkeit in die Stille eines Klosters zurück – und wagte 2011 einen Neuanfang: Als Solokünstler hat sich Michael Patrick Kelly seitdem im Musikgeschäft  erfolgreich etabliert. Er ist nicht nur bekannt für Hits wie „Beautiful Madness“, „Throwback“ oder „ID“:  Auch seine Teilnahme an ausgesuchten Fernsehformaten bringt gute Einschaltquoten. So gehört der gebürtige Ire aktuell zur Jury der Sat.1-Show „The Voice Kids“, in der junge Gesangstalente gegeneinander antreten. „Sie zu unterstützen ist, wirklich eine schöne Sache und für mich eine der bisher spannendsten Aufgaben.  Ich kenne das Gefühl von Abenteuer und weiß auch, worauf man für innere Stabilität achten muss“, erklärt  Kelly, der sich trotz vieler Termine Zeit für die Fragen von BENE-Redaktionsleiterin Sandra Gerke genommen hat.

BENE: Dieses Heft dreht sich ums Suchen und Finden. Da passt’s, dass Ihr aktuelles Album „Traces“ („Spuren“) heißt. Nach welchen Arten von Spuren  haben Sie mit den neuen Songs gesucht?

Michael Patrick Kelly: Songs zu schreiben, empfinde ich grundsätzlich als einen Prozess des Suchens und des Findens. Es hat etwas von „Seelentauchen gehen“;  man muss in sich hineinhören. Gleichzeitig wird man auch von der Außenwelt inspiriert. Die Spuren, denen  ich für die Entstehung des Albums nachgegangen bin, waren einerseits eigene Erlebnisse und andererseits  Begegnungen mit Menschen, deren Lebensgeschichten mich tief berührt haben. Der Song „Calcutta Angel“ zum Beispiel handelt von einer Erfahrung, die ich mit Anfang 20 bei den Ordensschwestern von Mutter Teresa in  Kalkutta gemacht habe als freiwilliger Helfer im Hospiz Kalighat. Damals lebte ich auf Schloss Gymnich, hatte Erfolg, Geld, einen Privatkoch und Bodyguards rund um die Uhr. Aber ich war trotzdem innerlich unglücklich und leer. Das beste Mittel, um eigene Probleme zu überwin-den, ist die Sorge um andere. Sterbenskranke Menschen in Kalkutta von der Straße zu holen, sie zu pflegen, zu helfen und ihnen so etwas wie Würde zurückzugeben, hat mich damals gerettet. 

Wo möchten Sie Spuren im Leben hinterlassen?

Für mich ist entscheidend, dass die Kunst, die ich mache, einen Sinngehalt hat und anderen etwas Gutes bringt. Wenn Menschen mir erzählen, dass ein Song von mir sie durch eine schwere Krise getragen hat, dass sie zu einem Lied von mir geheiratet oder einen lieben Menschen  beerdigt haben, ist das viel wichtiger als quantitativer Erfolg. Mir erzählte letztens eine Dame, dass eine bestimmte Musik von mir ihr während eines Krankenhaus-aufenthaltes geholfen hat, ihr Erinnerungsvermögen zu stimulieren, nachdem sie eine Hirnblutung erlitten hatte. Jemand schrieb mir, dass sie in einer Situation war,  sich das Leben nehmen zu wollen. Durch „Zufall“ lief im Hintergrund ein Lied von mir. Sie sagte, es habe sie in dem Moment davon abgehalten, sich etwas anzutun. Das sind natürlich überwältigende Berichte, die dankbar machen. Sie zeigen: Musik ist weit mehr als Unterhaltung. 

Auf dem Album ist auch ein Song über den Tod Ihres Vaters zu hören: „The Day My Daddy Died“ singen Sie nicht allein, sondern seit langer Zeit wieder mit Ihren Geschwistern. Wie kam es dazu?

Ich hatte nur noch zwei Wochen Zeit bis zur Abgabe des Albums, als die spontane Idee kam, meine Geschwister zu fragen, bei diesem Song mitzusingen. Wir haben dann in Tonstudios in den USA, in Irland, Spanien und Deutschland einzeln oder in kleinen Gruppen aufgenom-men, weil es nicht möglich war, alle so kurzfristig an  einem Ort zu treffen. Ich bin sehr dankbar, dass wir es geschafft haben, mit einem gemeinsamen Song unseren Vater zu ehren. Er hat mir viel Gutes mit auf den Weg gegeben. Vor allem den „Spirit of Freedom“, den Geist der Freiheit. Auch wenn er nicht alles perfekt gemacht hat – wie ohnehin keiner von uns –, gibt es vieles, für das ich ihm danken möchte.

Sie haben in den letzten Jahren viele Fans dazuge-wonnen. Was, glauben Sie, finden die Leute bei Ihnen, was sie jeweils in ihr eigenes Leben mitnehmen  können? 

Das können andere sicher besser beantworten. Mir ist Authentizität in der Öffentlichkeit wichtig und bei den Werten zu bleiben, die mir etwas bedeuten. In der Pop-musik-Kultur wird einiges überhöht, schrill und künstlich dargestellt, um aufzufallen – Aufmerksamkeit um jeden Preis. Solchen Trends möchte ich nicht nachgehen. Bei mir liegt der Fokus auf handgemachter Musik mit Werten und echten Emotionen. Die Songs auf „Traces“ basieren, wie schon die Lieder des Vorgängeralbums,  auf wahren Geschichten, die bestenfalls ermutigen und Hoffnung schenken sollen.

Sie sind katholisch aufgewachsen, haben als junger Mann sogar ein paar Jahre im Kloster gelebt, bevor  Sie Ihre Frau geheiratet haben. Sind Sie noch ein „Suchender“, wenn es ums Thema Glauben geht?

Ich bin zwar als Kind und Jugendlicher durch meine  Eltern christlich geprägt worden, aber ich habe erst mit Anfang 20 durch spirituelle Schlüsselerlebnisse die per-sönliche Entscheidung getroffen zu glauben. Die sechs Jahre als Mönch im Kloster haben natürlich geholfen, im Glauben zu reifen, aber ein Fragender bleibt man. Beim Glauben ist immer ein Wagnis dabei und Vertrauen gefordert. Ich nehme mir jeden Tag eine stille Zeit, um zu beten. An Gott zu glauben, auf Jesus zu vertrauen, ist für mich nichts Naives. Ich empfinde den Glauben als ein Licht, durch das man alles, inklusive sich selbst, neu sieht und vollkommener versteht. Ich habe für mich die wichtigsten Antworten im Glauben gefunden und bleibe gleichzeitig ein Suchender. 

Sie gehen jetzt auf Tour und spielen auch in unserer Region große Konzerte. Dabei haben Sie nicht nur Ihre Songs im Gepäck, sondern auch eine riesige Glocke. Was hat es auf sich mit dieser massiven Mitreisenden?

Bei all meinen Konzerten gibt es immer eine Schweige-minute für den Frieden, und die wird von der „PeaceBell“ eingeläutet. Das ist eine Friedensglocke, die aus Kriegs-schrott gegossen wurde. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden Hunderttausende Kirchenglocken beschlagnahmt, um daraus Waffen herzustellen. Ich habe diesen Prozess umgekehrt, habe Panzerstücke und Granathülsen aus der Ukraine einschmelzen und daraus diese zirka eine Tonne wiegende Glocke gießen lassen. Ich finde es jedes Mal bewegend, wenn mitten in einem Pop-Rock-Konzert, wo Tausende von Menschen sich freuen und feiern, dann plötzlich eine Minute alle still sind. Man sieht, wie manche im Publikum beten, andere haben Tränen im Gesicht, andere liegen sich in den  Armen. Das ist ein absoluter Gänsehaut-Moment. 

„Traces“ ist das sechste Studioalbum von Michael Patrick Kelly. Unter den 13 Songs finden sich auch die aktuellen Hits „The One“ und „Run Free“. Die Traces-Tournee wird den Sänger auch in unsere Nähe führen: am 17. April nach Dortmund (Westfalenhalle), am 25. April nach Oberhausen (Rudolf-Weber-Arena) und am 26. Juli nach Mönchengladbach (Sparkassenpark).

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