Querbeet

Das BENE-PILGER-ABC

Die berühmte Kathedrale von Santiago des Compostela. Hier liegen die Gebeine des Heiligen Jakobus. Foto: pixabay/CC

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Alle Infos zu den verschiedenen Pilgerreisen gibt es hier. 
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– Alleine (oder gemeinsam)?

Eine wichtige Frage, die du dir vor der Pilgerreise natürlich beantworten musst. Wer lieber mal zu sich kommen und sich Ruhe und Besinnung wünscht, startet vielleicht besser alleine.  Auch mit Freunden zu pilgern, hat natürlich seinen Charme. Dann sollte man sich aber gut verstehen und harmonieren. Denn Pilgern fordert unseren Körper und unseren Geist natürlich besonders heraus.

– Bewegung
Ja, pilgern ist auch Sport. Kaum jemand absolviert eine Pilgerreise ohne Muskelkater (zuweilen auch Wadenkrämpfe und Blasen an den Füßen). Deshalb hat gutes Schuhwerk oberste Priorität! Achtung: Schuhe immer eine halbe bis eine Schuhgröße größer kaufen! Wenn man viel läuft, erhitzen sich die Füße und werden dicker. Die Wanderschuhe sollten vor der Reise eingelaufen werden. Auch zur Überprüfung der Fitness also unbedingt eine kleine Probewanderung machen!

– Credencial
So nennt man den Pilgerausweis, das bedeutendste Dokument auf einer Wallfahrt. Dort aufgelistet sind Name, Etappen und Ziel und manchmal auch die Fortbewegungsart des Pilgers. Im Pilger-Online-Shop kann man ihn für 2 Euro bestellen, möglichst mindestens drei Wochen vorher, um sicherzugehen, ihn vor der Reise zu haben. In vielen Herbergen und Anlaufstellen auf dem Jakobsweg kann man den Credencial auch noch bekommen, allerdings ist er dann meist teurer (ca. 5 Euro).

D – Distanz
Bei seiner Pilgerreise sollte man ungefähr planen, wie viele Kilometer man am Tag zurücklegen möchte. Bitte nicht gleich lossprinten, sondern so laufen,  dass Tempo und Kondition immer besser werden. Als Faustformel gilt: Ungeübte Läufer können ca. 20 Kilometer am Tag zurücklegen – abhängig von der Streckenbeschaffenheit an: Ist es ebenerdig und asphaltiert oder muss man noch hohe Berge erklimmen? Für eventuelle starke Regentage oder gesundheitliche Einschränkungen sollte man immer ein paar Tage Puffer einplanen.

– Erkennungszeichen 
Die Jakobsmuschel ist das Erkennungszeichen und das Schutzsymbol aller Pilger. Außerdem dient sie als Wegweiser in ganz Europa.

F – Fremder
Das ist die Bedeutung des lateinischen Wortes „Pilger. Es stammt vom lateinischen Wort „peregrinus“ oder „peregrinari“ ab, was so viel bedeutet wie: „in der Fremde sein“.

– Gesundheit
Pilgern ist gut für die Gesundheit. Der Stoffwechsel wird angeregt, die Organe werden aktiviert, die Atmung wird verbessert, all das wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus. Und Pilgern  macht natürlich auch schlank, wenn man immer in Bewegung ist und zudem noch Gepäck auf dem Rücken trägt. Bei soviel Aktivität wird die Fettverbrennung angekurbelt und die Ausdauer ordentlich gesteigert.

H – Herberge
Der Klassiker auf einer Pilgerreise: öffentliche Herbergen kosten durchschnittlich fünf bis sechs Euro pro Nacht (Pilgerausweis nötig!). Die Größe der Räume kann allerdings zwischen 10 und 100 Betten variieren. Private Herbergen liegen bei zehn bis zwölf Euro pro Nacht, bieten mit einer kleineren Bettenanzahl etwas mehr Komfort (Achtung: vorab reservieren!). Qualität, Sauberkeit und Einrichtung der Pilgerherbergen sind unterschiedlich. Von alten Dorfschulen bis zu modernen Unterkünften mit Meditationsraum, Garten oder Kamin reicht die Palett

I –  „Ich bin dann mal weg“
Der berühmte Buchtitel des Bestsellers "Ich bin dann mal weg" von Moderator und Comedian Hape Kerkeling, das 2006 veröffentlicht wurde, hat die Pilgerzahlen in Deutschland enorm in die Höhe schnellen lassen. Die Zahl hat sich seit 2006 von knapp 100.000 Pilgern auf im Jahr 2016 knapp 280.000 erhöht.

J – Jakobsweg

Der Jakobsweg ist der bekannteste Pilgerweg der Welt. Seit mehr als 1000 Jahren wandern Pilger zum Grab des Apostels Jakobus in die spanische Stadt Santiago de Compostela. 100 Kilometer müssen Pilger mindestens auf dem Jakobsweg laufen, um eine Urkunde zu erhalten. Allerdings muss man nicht erst nach Spanien fliegen, um ein Stück des Jakobswegs zu folgen. Quer durch Deutschland findet man ein großes Netz mit Abschnitten des Jakobswegs. Man kann seine Pilgerreise also auch direkt vor der Haustür beginnen. Viele Seiten haben das Streckennetz für Sie bereit.

K – Kosten
Früher wurden Pilgern tatsächlich kostenlos Übernachtungsmöglichkeiten und oft sogar Essen und Trinken zur Verfügung gestellt. Pilgern ist heute deutlich kommerzialisierter. Wegen der deutlich gestiegenen Nachfrage muss man pro Woche in Spanien mit einem Tagessatz von rund 27 Euro für Verpflegung und Übernachtung rechnen. Allerdings können die Preise je nach Ort, Saison und Art der Übernachtung stark variieren.  An- und Abreise sowie Ausrüstung sind auch mit einzukalkulieren. Da können gut 500 bis 600 Euro auf einen zukommen.

– Lokal
Entlang des Jakobswegs ist es kein Problem, abwechslungsreiche (auch vegetarische) Verpflegung zu bekommen (rund zehn bis 20 Euro). Viele Herbergen bietet morgens ein kleines Frühstück an, mittags gibt es unterwegs eher kleinere Snacks, wie Obst, Müsliriegel oder belegte Brötchen. Abends bieten viele Lokale eigene Menüs für Pilger an. Diese bestehen meist aus drei Gängen und einem Glas Wein (etwa neun bis zwölf Euro).

– Martin Luther
Martin Luther nannte Pilgern abschätzig "Geläuff". Er war damit so wenig einverstanden wie mit dem Ablasshandel oder dem Zölibat. Pilgerfahrten, so schien ihm, führten nicht näher zu Gott, sondern zu dubiosen Zielen. Er predigte: „Lauf nicht dahin. Man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund da liegt."

N – Nasszelle
Kann ich denn auch duschen, wenn ich unterwegs bin? Ja, denn Nasszellen sind in so gut wie allen Unterkünften vorhanden. Auch hier gilt: Wer es komfortabler will, wird etwas mehr bezahlen müssen. In öffentlichen Herbergen gibt es oft  Sammelduschen. Geschlechtergetrennt sind die sanitären Anlagen so gut wie überall.

O – Orientierung
Woher weiß ich wo ich hin muss? Apps, Wanderkarten etc...

P – Pflaster
Das wichtigste Erste-Hilfe-Mittel gegen Blasen und andere Verletzungen. Sollte auf jeden Fall jeder Pilger in seiner unbedingt erforderlichen Reiseapotheke dabei haben.

Q – Qual
Oft mag einem die Pilgerreise mehr als Qual vorkommen. Von Erholung ist nach vielen Kilometern Fußmarsch nichts zu merken. Aber durchhalten lohnt sich! Und wem die Blasen dann doch zu nervig werden, kann es ja einfach machen, wie Ludwig "Lucki" Hofmaier im Sommer 1967. Er lief 1070 Kilometer von Regensburg nach Rom – allerdings auf den Händen. Auf dem Kopf brauchte er für die Strecke drei Monate und wurde von Papst Paul VI auf dem Petersplatz feierlich empfangen.

R –  Rucksack
Beim Rucksack sollte man beim Pilgern nicht sparen. Dort lohnt es sich ein gutes Stück zu kaufen. Es sollte circa 10 Prozent des eigenen Körpergewichts wiegen, maximal jedoch 10 Kilogramm. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass der Rucksack vor allem bequem ist und sich gut auf den persönlichen Rücken einstellen lässt. Eine gute Polsterung am Rücken und größenverstellbaren Riemen sind also sehr praktisch. Am besten ist es dafür natürlich in ein Fachgeschäft für Outdoorutensilien zu gehen und dort einige Modelle auszuprobieren und sich beraten zu lassen.


– Santiago de Compostela
Santiago de Compostela ist das Ziel der Pilger, die auf dem Jakobsweg ihre Pilgerreise antreten. Es liegt im Nordwesten Spaniens, in der Provinz Galicien. Dort findet sich die Kathedrale, die die Gebeine des Heiligen Jakobs beherbergt – so die Chroniken.

T – Tradition
Seit Jahrtausenden folgen Menschen Pilgerpfaden. Nicht erst mit dem Christentum entwickelte sich der Brauch, auch in anderen Religionen und Kulturen gibt es ihn  – zum Teil sogar schon länger. Die alten besuchten ferne Tempel, um dort bestimmten Gottheiten zu huldigen. Und schon die Germanen unternahmen Pilgerfahrten zu heiligen Wäldern.

U – Ultreja
Wenn Sie dieses Wort auf der Strecke hören, ist es wohlgemeint.  Der alte Pilgergruß bedeutet so viel wie: „Vorwärts! Weiter!“ Er stammt aus dem Spanischen von ultrejar = lat.: ultr-idiare von ultra 'darüber hinaus' und wird auch heute noch von Pilgern auf dem Jakobsweg benutzt, um sich und Weggefährten zu motivieren.

– Vino
In Vino veritas, sagt der Lateiner. Und deshalb gehört gerade in Spanien vor allem der Rotwein auch zu einer Pilgerreise dazu. Entlang des Jakobswegs finden sich viele Weingeschäfte, in denen man Wein aus den nahe gelegenen Weinanbaugebieten (das Rioja-Gebiet ist nicht weit) kaufen kann. Weil der fürs Gepäck vielleicht zu schwer ist:  Beim abendlichen Pilgermenü gibt’s einen „vino tinto“ meistens dazu!

W – Wanderstab
Immer noch das beste Hilfsmittel, um sich zwischendurch mal abzustützen. Heutzutage haben viele Pilger allerdings nicht nur einen sondern zwei Wanderstäbe dabei – „Nordic Walking“ lässt grüßen, „Nordic Walking. Es schont die Knie und vermeidet geschwollene Hände. Beim Kauf sollte man nur auf ein nerviges Klackern der Stöcke achten. Das ist nicht nur ein Zeichen für eine schlechte Qualität sondern nervt auch alle Mitläufer. Apropos nerven. Man kann mit dem Stock nachts auch schnarchende Mitpilger anstupsen ...

– Xacobeo
Das Heilige Compostelanische Jahr (span. Año Santo Compostelano oder Año Santo Jacobeo, als Kurzform oder Logo auch Xacobeo) wird begangen, wenn der Todestag des Heiligen Jakobus (25. Juli) auf einen Sonntag. Nach 2010 ist es erst im Jahr 2021 wieder so weit.

Y – Yoga
Yoga ist eine der beliebtesten Übungen, mit der man zu sich selbst findet und, wie man so schön sagt, "runterkommt". Insofern ist es eine gute Ergänzung zum Wandern oder Pilgern. Einige Anbieter haben inzwischen Yoga und Wandern als Komplettangebote im Programm, sowohl in Deutschland, als auch im Europäischen Ausland. In Indien und Südostasien sind diese Angebote oft sehr spirituell angelegt. Zu finden z.B. unter: www.yogawegewandern.de

Z – Ziel
Der Weg ist das Ziel. Oft führen die Wege zu den berühmtesten Pilgerorten an wunderschönen Landschaften und eindrucksvollen Gegenden vorbei. Schon der Weg ist die Reise wert und die Ankunft am Ziel meist der krönende Abschluss.

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