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Weihnachtsfreude teilen – Loblied aufs Schenken

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Dezember 2023

Weihnachtsfreude teilen

Ein Loblied aufs Schenken von BENE-Autorin Jutta Oster

Zugegeben, mit dem Schenken sind eine Menge Zumutungen verbunden, gerade in der Vorweihnachtszeit. Geschäfte, in denen „Last Christmas“ rauf und runter läuft, Fußgängerzonen, die so voll sind, dass es kein Durchkommen gibt, Menschen, die mit mürrischen Gesichtern Einkaufszettel abarbeiten. Wissen Sie was? All diese Zumutungen können dem Zauber des Schenkens gar nichts anhaben. Ich gehöre zu den Menschen, die gerne schenken (und sich gerne beschenken lassen!). Schon als Kind konnte ich es kaum erwarten, mein Präsent zu überreichen. „Rate mal, was ich dir schenke!“ – „Soll ich dir den Anfangsbuchstaben verraten?“ Oftmals war längst vor dem Fest meiner Familie klar, was sich unter dem knisternden Papier verbarg. Warum das Schenken in mir als Erwachsenen immer noch kindliche Freude weckt? Weil es gleich zwei Menschen glücklich macht: den, der gibt, und den, der bekommt. Gerade zu Weihnachten teilen wir damit die Freude über die Geburt Christi vor mehr als 2.000 Jahren.

 

Gefühle mitverpackt

Schenken ist geteiltes Glück, zumindest wenn es gut läuft und Feingefühl im Spiel ist. Ich gebe zu: Das Schenken ist eine Kunst. Es gibt einige Fallstricke, sodass viele Menschen – in- zwischen laut der Online-Plattform „Statista“ fast jeder Zweite – auf Verlegenheitslösungen wie Geldgeschenke oder Gutscheine ausweichen. Denn ein Präsent ist weit mehr als ein mit Schleife versehener Gegenstand. Schenken ist soziales Handeln. Oder anders formuliert: In einem Geschenk sind die Gefühle für einen Menschen mitverpackt. Ich zeige meinem Partner, meiner Mutter oder Freundin damit: Du bist mir wichtig, ich habe mir Gedanken um dich gemacht. Und ich gebe etwas von mir preis, von meinem Geschmack oder meinem Maß an Großzügigkeit. Das kann manchmal auch schiefgehen. Unvergessen die Szene, in der Vater Hoppenstedt in Loriots Sketch „Weihnachten bei Hoppenstedts“ eine Krawatte nach der anderen auspackt.

Zum Glück gibt es einige Regeln beim Schenken, mit denen sich solche Krawatten-Desaster vermeiden lassen. Wichtig ist vor allem, dass ein Geschenk der Beziehung zwischen zwei Menschen angemessen ist. Das Fachbuch mag ein passendes Geschenk vom Chef sein – unter zwei Menschen, die sich lieben, würde es wohl deplatziert wirken. Umgekehrt würde die Silberkette mit Herzchen vom Liebsten wohl große Freude wecken; käme sie vom Chef, würde sie zumindest Fragen aufwerfen.

Mut zum persönlichen Schenken

Kein Wunder, dass manche auf Gutscheine ausweichen oder ganz aufs Schenken verzichten. Aber ich möchte Ihnen Mut machen: Gehen Sie das Risiko ein und schenken Sie persönlich! Das ist es wert. Kein Gutschein dieser Welt kann so viel Freude wecken wie etwas, das jemand mit Liebe ausgesucht hat. Natürlich gibt es kein Patentrezept dafür, dass ein Geschenk gut ankommt. Doch wer sich in sein Gegenüber einfühlt, dessen Vorlieben kennt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig liegen.

Ganz schön aufwendig? Stimmt, persönliches Schenken kostet Zeit und Energie, weil man sich Gedanken machen muss. Das war auch Thema in meiner Familie. Und wir haben eine pragmatische Lösung gefunden: Wir wichteln zu Weihnachten, sodass jeder nur noch ein Geschenk besorgen muss, sich dafür aber Zeit nehmen kann. Übrigens: Geldgeschenke und Gutscheine sind bei uns ausgeschlossen, das gehört zu den Spielregeln.

Geschenke erhalten die Freundschaft

Auch wenn das Schenken einen schlechten Ruf bekommen hat und Worte wie Konsumterror die Runde machen: Noch immer lassen sich die Deutschen es einiges kosten. Allein zu Weihnachten geben sie pro Kopf laut Marktforschungsinstitut GfK rund 300 Euro aus. Noch immer gilt, dass Geschenke die Freundschaft erhalten, wie der Volksmund weiß. Gerade weil sie Beziehungen stärken, gibt es den Austausch von Gütern in vielen Kulturen rund um die Welt.

Geschenke müssen aber nicht zwangsläufig materieller Art sein. Viele Menschen schenken sich inzwischen auch Zeit: ein gemeinsames Abendessen, einen Theater-Besuch oder einige Stunden in der Sauna. „Zeit statt Zeug“ heißt das Prinzip, das sich sicherlich auch deshalb durchgesetzt hat, weil uns Zeit oft mehr als Materielles fehlt.

Nur eines darf das Schenken aus meiner Sicht nie werden: eine lästige Pflicht. Denn mit dem Schenken ist die Gefahr verbunden, dass es sich um eine Art Geschäft und Gegengeschäft handelt, der Wert der Präsente also möglichst ausgeglichen werden muss. Mir ist es lange so ergangen, dass ich ein Geschenk kaum annehmen konnte, wenn ich nicht selbst eines parat hatte. Inzwischen habe ich mich davon frei gemacht: Ich kann es annehmen, dass mir jemand eine Freude machen möchte.

Vielleicht ist genau das der Kern von Weihnachten: dass wir mit der Weihnachtsbotschaft ein Geschenk bekommen, das so viel größer ist als wir selbst – Gott wird Mensch und schenkt uns seine Nähe. Ein Geschenk, das wir mit Freude annehmen dürfen, ohne selbst etwas zurückgeben zu können. Genau da finden alles materielle Denken, die Logik von Geschäft und Gegengeschäft ein Ende.

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