Lebensart

Weihnachten bewusst genießen

2. Dezember 2018

Es beginnt alles mit dem 1. Advent

„Ich will noch den Totensonntag abwarten“, hört man oft, wenn es um den Startpunkt geht, an dem die Menschen ihr Zuhause mit Sternen, Engeln, Kerzen und Kränzen dekorieren. Der Totensonntag, den die Evangelische Kirche zum Gedenken an die Verstorbenen begeht (2018 am 25. November), ist tatsächlich stets der Sonntag vor dem ersten Advent – aber er spielt auf dem Weg in Richtung Weihnachten keine Rolle. Offizieller  Beginn der Zeit,in der wir uns auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten, ist der Tag, an dem wir traditonell die erste Kerze auf dem Adventskranz entzünden. Der erste Advent ist in diesem Jahr der 2. Dezember.

Wer – zu Recht – stolz auf sich ist, dass er bis jetzt auf Marzipankartoffeln und Printen verzichtet hat, dem gibt Manfred Becker-Huberti Stoff zum Nachdenken: „Ursprünglich war der Advent eher karg. Es war eine Fastenzeit, in der Leckeres gar nicht vorgesehen war.“ Das Wort Advent leitet sich vom Begriff „adventus domini“ ab, lateinisch für „Ankunft des Herrn“. Auf die gilt es jedes Jahr erneut, sich vorzubereiten. Und das geschah früher eben
durch Verzicht, um sich so ohne Ablenkung besinnen zu können – bis Weihnachten. Erst zum Fest wurden nach Möglichkeit Leckereien aufgetischt.

6. Dezember 2018

Was hat der Nikolaus mit Weihnachten zu tun?

Er ist einer der Hauptdarsteller im Dezember – doch nicht in der Geschichte über die Geburt Christ. Der Heilige, dessen Gedenktag wir am 6. Dezember feiern, hat erst Jahrhunderte
später gelebt, wann genau, ist unklar. Sicher ist, dass seit dem 4. Jahrhundert über ihn Legenden kursieren: Nikolaus soll viel Gutes getan, sogar Wunder vollbracht haben. In den
Geschichten über ihn geht es oft um die Rettung von Kindern und um großherzige Gaben. Man geht davon aus, dass sich die Legenden auf zwei Personen gleichen Namens beziehen, die irgendwann miteinander vermischt wurden: den Heiligen Nikolaus von Myra, der als Bischof in der Region Lykien (in der heutgen Türkei) wirkte, und einen Abt namens Nikolaus, den Bischof von Pinora, der in Lykien starb.

In Erinnerung an die Taten, die man Nikolaus zuschreibt, hat sich ein reges Brauchtum entwickelt. „Nikolaus kommt ins Haus und befragt die Kinder, ob sie ihre Pflichten erfüllt
haben“, erklärt Manfred Becker-Huberti. Wer brav war, bekommt eine kleine Belohnung. „Aufgabe des Nikolaus ist das genaue Hinschauen, was auf Latein ,spekulare’ heißt.
,Spekulatus’ ist also das traditionelle Gebäck zum Nikolausfest“, weiß der Experte. Eine andere zum Fest passende Süßigkeit ist mittlerweile auch erhältlich: nicht mehr nur
„Weihnachtsmänner“ aus Schokolade im bunten Alu-Dress, deren Bezug zum Fest der Geburt Christ wohl keiner richtig erklären kann, sondern Schokoladen-Figuren, die Nikolaus als Bischof zeigen. Eine Nascherei, die für gegenseitige Hilfe und Großzügigkeit steht, geht zweifellos gut als Vorbereitung auf Weihnachten durch.

24. Dezember 2018

Oh Tannenbaum

Reich geschmückt und festlich beleuchtet: „All überall auf den Tannenspitzen“ sieht man schon früh im Advent die „goldenen Lichtlein blitzen“. Doch der Weihnachtsbaum heißt nicht umsonst so: Er gehört eigentlich wirklich erst zum Fest aufgestellt. Doch warum eigentlich? Der Brauchtumsforscher kennt die Antwort: „Der 24. Dezember ist nicht nur Heiligabend. Das ist auch der alte Gedenktag für Adam und Eva, die zwei, die die Schuld in die Welt gebracht haben. Früher gab es in Erinnerung daran das ,Paradiesspiel’ in der Kirche.“ Die Menschen sahen sich eine Darstellung der Szene an, in der Adam und Eva die
Frucht vom Baum der Erkenntnis essen. „Und dieser Baum blieb stehen bei dem nachfolgenden Spiel, das wir heute noch in der Kirche haben, dem Krippenspiel“, berichtet Becker-Huberti. Aus diesem Baum hat sich auf verschiedenen Wegen der Christbaum entwickelt. „Und der war zunächst stockevangelisch“, sagt der Forscher lachend.

Im 16. und 17. Jahrhundert kam bei evangelischen Adeligen der Brauch auf, Kerzen auf den Baum zu setzen – als Symbol für Jesus, der als Erlöser auf die Welt kommt und Licht in die Dunkelheit bringt. Der Weihnachtsbaum fand so schließlich seinen Einzug in die Häuser der Menschen. „Die Katholiken übernahmen dieses Brauchtum erst nach 1900. Bis dahin wurde bei ihnen Weihnachten ausschließlich in der Kirche gefeiert. In der Zeit begannen sich Bräuche der beiden Konfessionen dann zu vermischen“, weiß Manfred Becker-Huberti. Den Adventskranz zum Beispiel erfanden im 19. Jahrhundert evangelische Christen. 1925 hing der erste Adventskranz in einer katholischen Kirche.

13. Januar 2019

Und wann ist nun Schluss mit der Weihnachtszeit?

Sie hat den Deutschen „Knut“ vorgestellt: Eine schwedische Möbelhaus-Kette präsentierte ab 1996 den Brauch, dass im neuen Jahr an einem Tag mit dem Namen „Knut“ die Weihnachtsbäume beherzt und ohne Rücksicht auf Verluste aus den Fenstern geschmissen werden. In der überdrehten Darstellung klar ein Werbe-Gag – aber mit stimmigem Hintergrund laut Manfred Becker-Hubert. „In Skandinavien ist der Gedenktag
des heiligen Königs Knut der Endpunkt der Weihnachtszeit, das ist am 13. Januar.“

Bei uns ist es nicht Knut, der die Kerzen an Kränzen und Bäumen ausbläst. Noch bis in die 1970er-Jahre feierte die Kirche die Weihnachtszeit bis zum Fest „Maria Lichtmess“ am
2. Februar. Mit der Liturgiereform in den 1970er-Jahren kam die Verkürzung: Seither endet die Weihnachtszeit offiziell mit dem Fest „Taufe des Herrn“, das am Sonntag nach dem 6. Januar, dem Dreikönigstag, gefeiert wird. Der Blick auf den Kalender zeigt: Das ist in diesem Jahr der 13. Januar – tatsächlich also auch am „Knut-Tag“. Doch den Gedanken an die Christbaum-Entsorgung kann man nun erst einmal getrost beiseite schieben. Jetzt ist Gelegenheit, sich bewusst auf den Weg Richtung Weihnachten zu machen. Eben alles zu seiner Zeit.

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