Lebensart

Frohe Ostern! Das Fest als Energiespender

Foto: Svitlana Martynova / shutterstock.com

Das letzte Jahr war einfach eine lange, lange Durststrecke. Alle haben es gespürt, egal in welchem Alter, egal in welcher Lebenssituation. Bei jedem Gespräch wird mir das deutlich. Meine Freundin etwa liebt Konzerte und Reisen. Doch nun war sie fast das ganze Jahr zu Hause – allein in ihrer Wohnung. Oder die Künstler und Kreativen, die ich kenne: Sie ringen um ihre Existenz. Im Vergleich dazu geht es mir gut.

Ich habe nur meine Freundinnen und Freunde vermisst. Die Betreuung meiner Kinder: ein ständiger Balanceakt zwischen Erschöpfung und Überforderung. Die schönen Facetten vom Job – das Miteinander – waren auf das Kleinste reduziert. „Du darfst auch erschöpft und traurig sein, wenn es anderen noch schlechter geht“, hat mir meine Mutter mal gesagt. Und ja, ich bin erschöpft und traurig von den vielen Monaten Pandemie.

Und natürlich ist mir in dem Jahr vieles nicht gelungen. Der Geduldsfaden beim 37. „Warum?“ meines zweijährigen Sohnes war dünn, die Gespräche mit meinem Mann konzentrierten sich oft auf die Organisation des Alltags, die Anrufe bei meiner Oma gingen gegen null. Es war einfach nicht genug Kraft für alles da. In stillen Momenten habe ich oft gedacht: Mit mehr Energie hättest du das besser hinbekommen. Auch Schuldgefühle kamen hoch: Müsstest dujetzt nicht noch vorlesen? Wäre es nicht besser, den Job stärker zu reduzieren, wie es andere Mütter tun? Könntest du nicht doch noch Oma anrufen, andere schaffen das doch auch regelmäßig?

Dann habe ich mich wieder erinnert: Eigentlich habe ich doch in den letzten Jahren gelernt, mit Schuldgefühlen umzugehen. Und das hat viel mit Ostern zu tun. An Ostern feiern wir, dass Jesus Christus den Tod besiegt: Er stirbt am Kreuz und ersteht nach drei Tagen wieder auf. Diese Auferstehung ist der Kern des Christentums. Jeder Schmerz kann vergehen, jedes Leben kann wieder lebendig werden – weil Gottes Sohn den Tod überwunden hat.

Vor Jahren habe ich mal im Kloster mit einem Mönch über einen Fehler gesprochen, der mir sehr zu schaffen machte. Kurz vor Ostern. Und da sagte er: „Lesen Sie mal das Exsultet, also das Osterlob, in Ruhe. Da gibt es den Ausdruck ‚glückliche Schuld‘.“ Was er meinte, war das hier: Manche Fehler machen wir, weil wir nicht anders können. Jesu Auferstehung entlastet uns von diesen Fehlern. Sie steht für den Neuanfang, für das Wieder-gut-Sein. Für Kinder erklärt: Sie steht für das Pusten, wenn man hingefallen ist, für das Lied, das Eltern singen, um dich zu trösten.

Deshalb ist Ostern dieses wahnsinnig wichtige Fest im Christentum: Das, was da gefeiert wird, ist schwer zu glauben, und es ist höchste Theologie. Der Sohn Gottes sorgt dafür, dass meine Fehler wieder gut werden. Natürlich ist es mein Job, der beste Mensch zu sein, der ich sein kann. Aber wenn dasnicht reicht, dann gibt es Trost und Wiedergutmachung. Erlösung.

Vielleicht hilft Ihnen das dieses Jahr an Ostern. Wenn Sie irgendwo eine Osternacht miterleben können, hören Sie doch beim Osterlob einmal genau hin! Da wird es – natürlich in ganz religiöser Sprache – gesungen: Gott nimmt uns die Schuld, die Fehler, alle Lasten ab. Und deshalb kann ich auch gut meine Schuldgefühle über Bord werfen: Ich habe mein Bestes gegeben, den Rest übernimmt Gott.

GOTTESDIENSTE ZU OSTERN?

Die Osternacht gemeinsam mit anderen in der Kirche zu feiern, gehört für viele zum Fest einfach dazu. Ob und wo das in diesem Jahr unter Beachtung bestimmter Sicherheitsauflagen möglich sein wird, ließ sich zum Drucktermin dieser Zeitschrift noch nicht sagen. Die BENE-Redaktion empfiehlt, sich vor Ostern in den Pfarr- und Gemeindebüros oder an den Aushängen der Kirchen zu informieren.
 

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