Teaser 4

Foto: Olivia Klose/Bistum Essen

März 2026

DER WEG IST DAS  ZIEL

Pilgern: Schritt für Schritt unterwegs zu sich selbst

Text Maria Kindler

Kein Zeitdruck, kein Wettbewerb, kein perfekter Plan: Beim Pilgern zählt nur der nächste Schritt. Während man Meter für Meter vorankommt, kommen auch die Gedanken in Bewegung. Und Gedanken, die sich selbstständig machen, verlassen gewohnte Wege und finden neue. Wer aufbricht, macht sich nämlich nicht nur äußerlich auf den Weg, sondern auch innerlich. Genau hierin liegt die Kraft dieser alten Tradition: Pilgern stößt Gedanken an, entschleunigt und gibt die Freiheit, unterwegs Neues zu finden. 

Am Anfang ist da dieses Gefühl, dass etwas fehlt oder aus dem Gleichgewicht geraten ist. Eine innere Unruhe, die umtreibt und auf die Suche schickt. Aber wonach? Oft hilft hier: Erst mal raus aus dem Alltag und rein in die Stille der Natur, um den Kopf frei zu kriegen. „Sobald ich die Tür hinter mir zuziehe, kann das schon der erste Pilgerschritt sein“, sagt Olivia Klose. Die 41-Jährige muss es wissen: Sie ist verantwortlich für die Pilgerwege im Bistum Essen und damit von Berufs wegen mit allen Facetten des Pilgerns vertraut. Pilgern im Ruhrgebiet? „Absolut! Das Ruhrgebiet ist grüner, als viele denken, und hat nicht nur Stahlwerke und Fabriken vorzuzeigen“, sagt Klose.

Ihre Verantwortlichkeit reicht weit über die für die Pflege der Wege hinaus. Es geht auch darum, Pilgernden Orientierung und Sicherheit zu geben, etwa durch Markierungen, Hinweisschilder und Wegweiser. Es geht um Rastplätze, die zum Verweilen einladen. Es geht um Orte entlang des Weges, die Momente des Innehaltens, der Besinnung und des Nachdenkens über Gott ermöglichen.

Eines macht Klose deutlich: „Pilgern ist nicht Wandern. Es ist viel mehr.“ Pilgern fange dort an, wo der Weg zu mehr werde als eine Strecke, zum Spiegel der Seele. „Dort, wo ich mich nicht nur auf einen äußerlichen Weg aus Kilometern, Steigungen und Höhenprofilen mache, sondern mich innerlich bewegen lasse von dem, was mich umgibt, da beginnt Pilgern“, erklärt die Seelsorgerin. Dabei kehre man selten so zurück, wie man aufgebrochen sei. „Oft hat sich auf dem Weg eine Einstellung verändert, und ich schaffe es, meinem Leben im besten Falle eine neue Richtung zu geben.“

Pilgern ist also eine Suche – nach Ruhe, nach einer Pause vom hektischen Alltag, nach einer Unterbrechung der Routinen, nach Sinn, nach Antworten oder auch nach Raum für neue Fragen und neue Perspektiven. Und manchmal auch nach alldem zugleich. 

Dass das, wonach Menschen beim Pilgern suchen, sehr verschieden ist, zeigt sich an diesem Sonntag im Februar, an dem Klose mit einer Gruppe von Essen-Steele nach Bochum-Wattenscheid aufbricht. Einer, der mitpilgert, ist Matthias. Seit 1986 pilgert er regelmäßig. „Dem Alltag entfliehen, sich gesellschaftlich neu ausrichten und anhand anderer Mitmenschen überprüfen, wie tragfähig meine Ansichten auf die Welt sind“ – für ihn Anlass genug, die eigene Komfortzone zu verlassen. Auch Hermann treiben ähnliche Gründe: „Ruhe finden, meinen eigenen Gedanken nachgehen und unterwegs gute Begegnungen und Gespräche haben.“ Für Julia ist es das erste Mal – sie freut sich auf die körperliche und mentale Herausforderung. So wie Martina: „Pilgern ist Freude und Mühsal zugleich.“

Der Weg spielt beim Pilgern eine zentrale Rolle: Er wird selbst zum Ziel. Denn das Entscheidende ist das Unterwegssein, nicht das Ankommen. Mit jedem Schritt bleibt ein Stück des Ballasts zurück, mit dem man gestartet ist, und gibt den Gedanken Raum. „Die Offenheit, sich innerlich zu bewegen, ist das Entscheidende“, sagt Olivia Klose.  

Genau deswegen bleibt trotz aller Vorbereitungen das Wesentliche unplanbar, nämlich das, was Menschen unterwegs finden. Manchmal sogar erst auf Umwegen – und oft, ohne überhaupt zu wissen, dass sie danach gesucht haben. Denn wer pilgert, lässt sich vielmehr finden: von Gedanken, Erinnerungen, Gefühlen und auch von Antworten, die man nicht erwartet hätte. „Dabei tut es gut, nicht allein unterwegs zu sein, sondern in den Austausch zu gehen mit Mitpilgernden und auch mit Gott“, sagt Klose. 

Aufbrechen und losgehen – immer mehr Menschen tun das inzwischen, auch vor der eigenen Haustür. Pilgern ist längst eine Form moderner Sinnsuche geworden. 

Detaillierte Wegbeschreibungen, Karten, Atem- und Wahrnehmungsübungen oder Informationen zu Radwegen finden Sie hier.

 

SIE WOLLEN SELBST AUFBRECHEN? 
Alle Wege führen zum Dom – zumindest alle Pilgerwege in unserem Bistum. Das Essener Münster ist Start- oder Endpunkt für die fünf Hauptpilgerwege, die auf mehr als 250 Kilometern durch das Bistum führen, von den Hügeln des Sauerlands bis zu den Ufern des Rheins. Alle Wege lassen sich je nach Zeit, Interesse und Kondition flexibel erkunden und sind einheitlich markiert. Drei Extra-Touren ergänzen die Hauptstrecken und verbinden besondere Orte des Bistums miteinander. 

  • Märkisches Sauerland: auf dem historischen Drahthandelsweg durch eine reizvolle Landschaft
  • Nikolaus-Groß-Weg: von Bochum-Stiepel nach Hattingen-Niederwenigern – auf den Spuren des seligen NS-Widerstandskämpfers
  • Fußball & Spiritualität: eine Tour durch Gelsenkirchen, die Ruhrgebietsromantik und spirituelle Oasen verbindet

 

KINDER AUF ENTDECKUNGSTOUR
Für Kinder hat das Bistum Essen drei Pilgerwege entwickelt, die wie eine Schatzsuche aufgebaut sind. Ob bei einem Ausflug mit der Familie, der Schulklasse oder einer anderen Gruppe: Die Routen laden zu einer digitalen Rallye ein. Kinder erleben die Natur, bewegen sich, haben Spaß und denken gemeinsam auch über Gott nach. Alle Wege sind gut erreichbar, barrierearm und flexibel planbar. 

Hoffnungsschimmer 
Auf der Suche nach Zuversicht
Strecke: 4,5 km (Rundweg möglich)
Start: Neue Mitte Oberhausen 
Route: entlang des Rhein-Herne-Kanals, durch ein  Naturschutzgebiet bis zu einer alten Kläranlage
Besonderheiten: barrierefrei und kinderwagentauglich
Weitere Infos 

Dem Fisch auf der Spur 
Aufgaben zur Schöpfung und zu Gott

Strecke: variabel (Rundweg möglich) 
Start: Bahnhof Mülheim an der Ruhr
Route: durch die City, entlang der Ruhr bis zum Kloster Saarn
Besonderheiten: am Ziel Café, Spielplatz und Wiese zum Verweilen
Weitere Infos

Unterwegs nach Emmaus
Bibelgeschichte interaktiv erleben

Strecke: flexibel gestaltbar 
Besonderheiten: kein fester Ort
Weitere Infos 

 

Fragen zum Pilgern im Bistum Essen beantwortet Olivia Klose per E-Mail an olivia.klose@bistum-essen.de oder telefonisch unter 0201 2204-402. Auf dem Laufenden bleiben Sie mit dem passenden E-Mail-Newsletter. Anmeldung unter bistum.ruhr/pilgernewsletter 

 

Cookie Einstellungen

Performance Cookies erfassen die Informationen über die Nutzungsweise einer Website durch den Besucher.

Anbieter:

Google

Datenschutz

Statistik-Cookies dienen der Analyse und helfen uns dabei zu verstehen, wie Besucher mit unserer Website interagieren, indem Informationen anonymisiert gesammelt werden. Auf Basis dieser Informationen können wir unsere Website für Sie weiter verbessern und optimieren.

Anbieter:

Google

Datenschutz

Datenschutzerklärung | Impressum