Bestimmung

Unsere neue Reihe: Frauenpower im Bistum Essen


Wir sind mehr als eine katholische VHS!

Interview mit Rita Hövelmann, Geschäftsführerin der Katholischen Familien-und Erwachsenenbildung im Bistum Essen (KEFB)

BENE: Was heißt eigentlich katholische Erwachsenen- und Familienbildung? Sind Sie, plakativ gesagt, die katholische VHS?
Hövelmann: Ja. Das kann man so sagen. Wobei wir mehr sind als das! Weil ein Schwerpunkt unserer Aufgaben die Arbeit mit Eltern  und Kindern ist, und weil wir – im Gegensatz zur VHS – sehr dezentral unterwegs sind, also wirklich in den Stadtteilen, in Familienzentren, in kommunalen Einrichtungen beispielsweise. Uns kann jeder in Anspruch nehmen. Wir sind offen für alle Menschen. Dabei ist uns ganz wichtig, Begegnung zu fördern und Erfahrungsräume zu öffnen. Katholisch sind wir insofern, als wir zu bestimmten Zeiten und Festen im Kirchenjahr auch religiöse Akzente setzen. In Eltern-Kind-Gruppen versuchen wir aber auch, je nach Besetzung der Kurse, interreligiös zu agieren. Unsere Kursleitungen sind da entsprechend qualifiziert. Und im Ruhrgebiet ist Interreligiosität ja auch normal.

Ist es heutzutage schwierig, christliche Werte zu vermitteln?
Es kommt darauf an, wie man diese Werte versteht. Genau genommen ist schon die Begegnung mit uns und mit unseren christlich engagierten Kursleitungen christliche Bildung. Weil wir mit unserer Haltung ja auf die Menschen zugehen und andere Arten von Begegnung spürbar machen. Uns wird oft gespiegelt: Bei euch ist es anders als in der VHS. Die Kurse haben oft eine soziale Komponente. Da werden auch Lebenssituationen und Erlebnisse geteilt. Wir schaffen eine vertrauensvolle Umgebung, Beziehung, Bindung und Kontinuität. Das ist das Besondere an unseren Kursen.

Welche Rolle können insbesondere Frauen in der Familienbildung spielen?
Familienbildung ist hochpolitisch. Da sitzen in einem Nähkurs zum Beispiel kurdische und türkische, schiitische und sunnitische Frauen und begegnen sich, tauschen sich aus. Wenn das geschieht, geht es schon in Richtung Friedensbewegung. Versöhnlich sein, den anderen so annehmen, wie er ist. Die Frauen haben einen großen Willen, auch das andere wertzuschätzen. Wenn auch ihre Männer davon oft nichts wissen. Und wir sind dafür da, diese Begegnung zu fördern. Dann macht auch ein manchmal despektierlich betrachteter „katholischer Nähkurs“ richtig Sinn.

Was haben Sie sich für Ihre neue Aufgabe vorgenommen? Wie wird die KEFB der Zukunft aussehen?
Meine Vision ist: Das beste und kundenfreundlichste Weiterbildungsunternehmen mit christlicher Strahlkraft im Ruhrgebiet zu werden. Weiterhin teilnehmerorientiert zu sein und den Mensch mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen. Das alles vor dem Hintergrund, dass wir sparen und natürlich für unsere Finanzierung durch Bistums- und Landesmittel kämpfen müssen. Durch Teilnehmergebühren allein ist die KEFB nicht zu finanzieren.

Warum sind Sie als Frau genau die richtige an diesem Platz?
Weil ich neugierig bin und etwas bewegen möchte. Ich bin eine gute Netzwerkerin und habe viele Unterstützer und Unterstützerinnen, die mir in meinem Beruf und auch mental Stärke und Vertrauen gegeben haben. Ich bin sehr menschen- und familienfreundlich und kenne die KEFB und ihre Unternehmenskultur aus meiner bisherigen Leitungsfunktion in Oberhausen natürlich sehr gut.

Warum müssen Frauen in denselben Jobs wie Männer immer noch mehr leisten, um anerkannt zu werden?
Männer und Frauen sind unterschiedlich sozialisiert. Das wirkt sich bis heute in fast allen Lebensbereichen und eben oft auch im Job aus. Deshalb ist es auch in unserer Arbeit wichtig, das Selbstbewusstsein von Mädchen und Frauen zu stärken. Ich denke, dass sich Zukunft nur gestalten lässt, wenn sich beide Geschlechter gleichermaßen einbringen.

Welches Kursangebot würden Sie in Ihrer eigenen Einrichtung belegen?
Ich würde gerne was für meine Gesundheit tun. Da haben wir reichlich Auswahl an Kursen. Da ich eine leidenschaftliche Köchin bin, würden mich auch die Ernährungskurse sehr interessieren. Persönlich sehr wichtig finde ich auch das Angebot zum Austausch für pflegende Angehörige.

Steckbrief Rita Hövelmann

Alter: 55
Anzahl der Mitarbeiter: 104, dazu ca. 2000 Honorarkräfte
Familienstand: verheiratet, keine Kinder
Stundenumfang: 45 Stunden pro Woche
Werdegang: Erziehungswissenschaftlerin und Ehe- und Familien-Beraterin, 2005 Leiterin der Familienbildungsstätte in Oberhausen, ab 2007 auch in Mülheim
Hobbys: Radfahren, Gärtnern, Schriftführerin im Zonta-Club Oberhausen (Frauen in Führungspositionen)
Leitspruch: „Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren“
(Vincent van Gogh)

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