Begegnung

Comedian Torsten Sträter im BENE-Interview

BENE: Herr Sträter, Sie treten gleich vor 1000 Leuten auf und sitzen hier mit mir ganz entspannt. Müssen Sie sich nicht vor so einem Auftritt irgendwie sortieren?
Torsten Sträter: Ich bin sortiert hier angekommen – ich bin eigentlich immer sortiert. Ich bügele gleich nur noch meine Sachen für die Bühne, bevor es losgeht.

Wo wir schon bei Klamotten sind: Sie sind gelernter Herrenschneider, da ist exaktes Arbeiten nötig. Kann man deshalb von großer Ordnungsliebe bei Ihnen ausgehen?
Sträter: Wenn es um Ordnung im Kopf, bei der Arbeit geht: ja. Da stehe ich drauf! Ordnung zu Hause? Da bin ich ein ganz Schlimmer! Wie man Ordnung hält, weiß ich. Ich bin jemand, der mit zwei Handgriffen exakt ein T-Shirt auf Maß falten kann. Das Wissen über Ordnung ist mir gegeben. Aber die Fähigkeit, meine Zeit so zu managen, dass ich Ordnung halte, ist was völlig anderes. Ich glaube aber auch nicht an so Annahmen wie „Ordnung im Herzen und im Gehirn gleich Ordnung in der Bude”. Ich kann das charakterlich von mir ablösen, dass mein Keller aussieht wie Schwein.

Sie haben schon ein bewegtes Arbeitsleben hinter sich …
Sträter: Damals als Schneider bei einem renommierten Herrenausstatter in Dortmund war ich der Präziseste – aber auch der Langsamste. So bin ich in den Verkauf gerutscht. Danach kamen 20 Jahre Einzelhandel in verschiedenen Bereichen, weil ich gut mit Menschen kann. Und dann folgte eine persönliche Krise. Als Notlösung bin ich in meine kleine Heimatstadt Waltrop zurückgezogen und habe da in einer Spedition angefangen. Die Arbeit im Büro war grauenhaft für mich, sterbenslangweilig! Deshalb habe ich begonnen, nebenbei Geschichten zu schreiben: der Grundstock dafür, dass ich heute hier sitze.
Sie erwähnen jetzt selbst das Stichwort „persönliche Krise”:

Bei etlichen Auftritten haben Sie schon über depressive Phasen in Ihrem Leben gesprochen. Ist es Ihnen schwergefallen, das öffentlich zu machen?
Sträter: Nein, es kostet mich überhaupt keine Überwindung, darüber zu reden. Natürlich ist das ein Thema, das sich nur mäßig unterhaltsam aufbereiten lässt. Aber man kann sich dazu trotzdem vernünftig äußern –  auch launig und persönlich. Ich finde, man tut der Menschheit etwas Gutes, wenn man ihr zumindest versucht zu erklären, was Depressionen sind, was sie mit einem machen und was man dagegen tun kann. Ich bekomme darauf schon viele Rückmeldungen. Die Leute sagen: „Danke, dass Sie über Depressionen sprechen!“ Und ich sage: „Bitte, gerne doch – und jetzt Sie!“  

Die positive Resonanz auf Ihre Auftritte – ob im Fernsehen oder auf Theaterbühnen –  ist groß. Menschen verschiedener Altersklassen können über Sie lachen – nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in allen Ecken der Republik. Wie erklären Sie sich das?
Sträter: Ich stehe noch fassungslos davor. Vielleicht liegt es daran, dass mein Humor viel mit Scheitern zu tun hat. Das finden die Leute erfrischend. Wir alle prallen immer wieder an irgendwelchen Umständen des Lebens ab. Die dummen Dinge, die mir passiert sind, verknüpfe ich zu einer breiten, dichten Geschichte. Dabei arbeite ich mit Wortspielen, die irgendwo zwischen wirklich intelligent und wirklich albern pendeln.

In Mittelpunkt der Geschichten steht auch oft Ihre Familie: „Omma“ und „Oppa“, Ihre Mutter, Ihre Brüder – und Ihr 15-jähriger Sohn. Was ist Ihnen besonders wichtig, ihm mit auf den Weg zu geben?
Sträter: Ich versuche, als Vater einfach nicht peinlich zu sein, wenn ich mit meinem Sohn unterwegs bin – was mir sehr schwerfällt. Ansonsten kann ich ihm nur das gleiche spießige Zeug raten, das meine Mutter mir geraten hat: Sei ein anständiger Typ, rede gerade heraus, zeige Respekt. Und wenn du in der Klemme steckst: Such dir eine Person, der du vertraust, mit der du darüber reden kannst. Das muss nicht mal ich sein. Aber du brauchst immer jemanden, dem du dich öffnen kannst. Sonst häufst du Dinge in dir an – und das ist nie gut.

Wie ist das für Ihr privates Umfeld, dass Sie so viel unterwegs sind?
Sträter: Ich bin wirklich nicht viel zu Hause, das ist schon schwierig für Familie und Freunde. Aber die wissen eben auch, dass es mich erfüllt wie nichts anderes. Nicht das Unterwegs sein selbst, das laugt einen aus. Aber der Moment, das Machen: Fernsehproduktionen mit lieben Kollegen oder Live-Auftritte. Dann zwischendurch das Schreiben: Das mache ich manchmal mitten in der Nacht und muss die ganze Zeit selbst lachen. Für mich ist das der beste Job der Welt.

www.torsten-straeter.de