Juni 2026
„Mein Glaubensort? Großvaters Gartenhütte!“
Michael Günzel (69), Witten-Herbede
Wenn Michael Günzel auf der Schwelle seiner Gartenhütte sitzt und über den Kemnader See blickt, Richtung Bochum und Ruhr-Universität, kommt der ehemalige Schulleiter zur Ruhe. „In diesem Moment und an diesem Ort kann ich mich entspannen und bedanke mich bei meinem Schöpfer“, sagt der 69-Jährige. Die Hektik des Alltags verblasst, Kummer und Sorgen fühlen sich leichter an. Hier spürt Michael Günzel eine Verbundenheit – mit sich selbst und mit Gott.
Dass die dunkelbraune Holzhütte in Witten-Herbede steht, ist eine Geschichte für sich. Denn das gute Stück hatte seinen Platz ursprünglich im Garten von Michael Günzels Großvater in Teisen-dorf in Oberbayern. Dieser hatte die Laube in den 1970er-Jahren nach seinen Vorstellungen bauen lassen. Als er sein Haus verkaufte, weil es zu groß geworden war, musste er sich schweren Herzens auch von seiner geliebten Zimmermannshütte trennen – und vermachte sie seinem ältesten Enkel als Zeichen der Verbundenheit und als ein Stück Familiengeschichte.
Michael Günzel und seine Frau nahmen das Erbe an: Mit viel Geduld und noch mehr Tatkraft zerlegten sie das 32 Quadratmeter große Holzhaus 1998 in seine Einzelteile, beschrifteten jedes Brett und jeden Balken sorgfältig und verluden alles in einen Bulli und auf einen Anhänger. Drei Tage dauerte das. Dann machten sie sich auf die Rückreise: Gut 750 Kilometer von Oberbayern nach Witten-Herbede, wo sie die Hütte in ihrem Garten originalgetreu wieder aufbauten – Brett für Brett, Balken für Balken.
Seitdem ist sie mehr als nur ein Gartenhaus: Mal dient sie als Rückzugsort für stille Momente, mal als Treffpunkt für gesellige Stunden. Auf der Eckbank mit den rot-weiß karierten Bezügen wird dann bei guter Musik und gemütlichem Licht gelacht, erzählt und gesungen. Auch der Sohn und die Tochter der Günzels haben hier schon die eine oder andere Party geschmissen.
Dass sein Opa sie 2002 in Witten-Herbede besucht und gesehen hat, wie gut seine Hütte sich an ihrem neuen Standort einpasst, empfindet Michael Günzel auch heute noch, lange nach dem Tod seines Großvaters, als tröstlich. „Das war ein besonderer Moment, als Opa und ich zusammen in der Hütte saßen.“ I mk
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