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Advent mal anders: Tipps für die Vorweihnachtszeit

Foto: shutterstock.com/jakkapan

ADVENT HEISST ANKUNFT

„Advent heißt Ankunft. Es ist das Warten auf einen besonderen Gast. Gott wird Mensch. Wie wundervoll! Aber Warten ist trotzdem nicht meine Stärke“, gibt Nadine Piltz zu. Die 38-Jährige arbeitet im Essener Jugendhaus St. Altfrid. Als Referentin für Natur- und Erlebnispädagogik hat sie zum Glück immer gute Ideen parat – auch im Hinblick auf Weihnachten. „Ich spicke diese Wartezeit mit kleinen Momenten, die mich aus dem Alltags-Warte-Grau bringen. Mit denen man ganz bewusst ausbrechen kann, um auch selbst anzukommen: an Weihnachten. In der Liebe. Ankommen, um neu aufzubrechen.“ Ihre persönlichen Adventstipps teilt Nadine Piltz hier.

Der Weg ist das Ziel

Gehe heute mal Fußwege, die du sonst nie gehst. Wechsel die Straßenseite, mach bewusst einen Umweg, um Neues zu entdecken. Bleib mal stehen und schaue zurück. Oder hast du noch irgendwo deine alten Rollschuhe oder ein Skateboard? Komm doch mal anders an!

Vor einigen Jahren hatte ich eine miese Zeit, nichts klappte, ich fühlte mich von jedem Menschen auf der Erde missverstanden und versank im Selbstmitleid. Dann packte mich eine gute Freundin in ihr Auto und verkündete: ,Heute geht’s bergauf!‘ Und wir fuhren, immer möglichst bergauf, kamen an Straßenzügen vorbei, die ich noch nie gesehen hatte,und irgendwann passierten wir die Stadtgrenze. Dann irgendwann standen wir auf einem Schotterparkplatz mit wunderschönem Blick über Felder, Strommasten, Fördertürme, und alles war so friedlich. Schließlich auch ich. Wir stärkten uns mit einer Currywurst aus dem Imbisswagen nebenan, schwiegen eine Weile miteinander und staunten – über Zufälle, Verbundenheit und das Gipfelglück.

Nimm einen Bus oder eine Bahn und steige dort aus, wo du noch nie ausgestiegen bist. Oder fahre mit dem Auto in Stadtteile, die du gar nicht kennst. Wahlweise fährst du einfach immer bergauf! Zu Fuß oder mit dem Rad geht das natürlich genauso. Noch abenteuerlicher wird es mit einem Kompass: immer Richtung Süden zum Beispiel. Finde deinen Ort zum Ankommen.“

Das Ankommensgefühl

Als Kind war ich gerne im Wald. Ich habe mit Oma Moos-häuschen gebaut, Verstecken gespielt, bin auf Bäume geklettert und habe Zapfen gesammelt. Irgendwann hat die Lust auf Wald nachgelassen, und dann, vor einigen Jahren, habe ich sie wiederentdeckt.

Ich klettere jetzt zwar seltener auf Bäume, aber allein die Luft des Waldes zu riechen oder den weichen Boden unter den Füßen zu spüren, lässt mich ruhig werden und erfrischt mich zugleich. Ich versuche, mich zu erinnern: Was fühle ich, wenn ich an die Zeit im Wald zurückdenke? Eiszapfen, die zwischen den Fingern schmelzen, nasses Moos und klamme Turnschuhe, im Gesicht die hellen Sonnenstrahlen, wenn sie unverhofft durchs Astwerk brechen, die warme Hand eines Menschen, den ich mag ... Das fühlt sich wie Ankommen an!

Geh raus in die Natur und sammle deine ultimativen Winter-gefühle. Was siehst du, was riechst du, was kannst du spüren? Woran bleibt dein Blick haften? Entdeckst du verschlungene Wurzeln, knorrige Äste, besonders verlaufende Pfade? Oder erinnere dich, was deine Fingerspitzen, deine Nase und deine Wangen gefühlt haben!

Tipp: Lass ruhig mal die Kopfhörer und deine Lieblingsmusik weg! Wenn du deine Sinne einmal geschärft hast, dann kannst du hinter dem Autobahngeräusch ganz sicher auch das Klopfen des Spechts, den Ruf des Bussards oder das Rascheln des Laubes hören.“

Das Licht der Welt

„In diesem Jahr habe ich mir einen eigenen Adventskalender gemacht. Ganz anders als sonst. Ich zünde seit dem 1. Dezember an jedem neuen Tag eine Kerze an und verbinde das mit einer Widmung, einem Wunsch, einem Gebet für Menschen in meinem Umfeld, für die Welt.

Für H., dass es nicht sein letztes Weihnachtsfest sein möge.

Für die Menschen, die vor Trümmern stehen, dass sie Kraft schöpfen können. Für das Verbindende, nicht das Trennende.

Für C., weil sie ein so wertvoller Mensch für mich ist.Für diejenigen, die ihren Platz suchen und endlich ankommen wollen.

Für eine regenbogenbunte Welt. Nimm dir im Laufe des Tages ein paar Minuten Zeit und überlege, welcher Mensch einen guten Gedanken brauchen könnte. Zünde eine Kerze an für etwas, das dir wichtig ist, ein Thema, das dir am Herzen liegt. Zeige deine Verbundenheit durch dieses Licht und komme an, an Weihnachten. Werde Mensch.“

Gut vorbereitet

Traditionell schmücken wir in unserer Familie am 23. Dezember den Weihnachtsbaum. Dabei läuft laute Weihnachtsmusik, wir schenken regelmäßig Glühwein nach und fluchen laut beim Entwirren der Lichterkette.

Seit einigen Jahren habe ich noch eine eigene Tradition: Ich gehe in die Natur und schmücke dort einen Baum. Nicht mit roten Glaskugeln und Strohsternen, sondern mit kleinen Äpfeln oder Apfelringen, Erdnüssen und Hirse. Für die Vögel, Eichhörnchen, Igel und Feldmäuschen, die dort leben. Ich will teilen, weil ich mich reich beschenkt fühle.

Ziehe los und such einen Baum, einen Busch oder Strauch, den du für die Tiere schmücken kannst. Sammle vorher alles, was Tiere gerne essen. Wenn du noch Kastanien, Bucheckern oder Eicheln aus dem Herbst hast, kannst du sie auch darunterlegen. Wichtig: Benutze keine in Plastik verpackten Meisenknödel (die lassen sich übrigens ganz toll selbst machen), und hänge deine Fundstücke nur mit einem Natur-faden (aus Baumwolle oder Sisal) auf! In den kommenden Tagen wirst du bestimmt beobachten können, wie sich dein geschmückter Baum als Ankunfts- und Abflughalle entpuppt.

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