Besuch bei...

... der Spanischen Gemeinde in Essen

Tanzlehrerin Rafaela Escoz bei einer Aufführung

BIEN HECHO! GUT GEMACHT!

So geht Integration auf Spanisch

Es ist wohl eine Binsenweisheit, dass Einander verstehen nur durch Aufeinander zugehen funktioniert. Doch so leicht das auch klingt, so schwer fällt es zuweilen. Wenn man nicht mal dieselbe Sprache spricht, bleibt die Verständigung naturgemäß auf der Strecke. Dass Integration sich lohnt, beweist der spanische Elternverein Essen (Asociación española de Padres de Familia e.V.). Von spanischen Gastarbeitern 1969 gegründet, um Kindern muttersprachlichen Ergänzungsunterricht anzubieten und die Integration der Spanier in Essen zu erleichtern, ist daraus ein kunterbunter Kulturverein geworden, in dem sich Spanier, Deutsche und andere Nationen tummeln.

Text Jutta Laege I Fotos APF Essen

Die Eltern von Cristina Fernandez-Moser (Foto oben links) gehörten zur ersten Generation der Gastarbeiter im Ruhrgebiet. Mitte der 1960er Jahre kamen sie aus der Nähe von Gijon nach Essen, weil es hier Beschäftigung für den Vater gab. „Eigentlich sollte das nicht für immer sein“, berichtet die Vorsitzende des Elternvereins. Sie war sieben, als ihre Eltern sie nach Deutschland holten. „Unsere Familie lebte zeitweise getrennt.“ Mit ihren Geschwistern und Eltern zusammen gab es gerade mal zwei gemeinsame Jahre.

Doch trotz der Hin- und Hergerissenheit zwischen alter Heimat und neuem Lebensmittelpunkt blieben sie. Das hatte auch damit zu tun, dass das Bistum Essen für die Spanier 1968 ein eigenes Gemeindehaus zur Verfügung stellen konnte. In der „Misíon Católica Española“ kümmerten sich fortan der Priester Carlos Castejon und die Schwestern der rdensgemeinschaft der Salesianerinnen um die Integration der Kinder. „Ich war den ganzen Tag im Schulunterricht“, schildert Fernandez- Moser, „morgens war ich Deutsche, mittags Spanierin.“ Die Nonnen unterrichteten die Gastarbeiter-Kinder in deren Muttersprache – und das war ganz wichtig, „damit wir den Anschluss an unsere Sprache nicht verloren“.

Und so wurde aus Cristina Fernandez- Moser, die, wie der Name verrät, einen deutschen Mann heiratete, eine, wie sie selbst sagt, „Europäerin“. Eine, die sich engagiert für die nachfolgenden Generationen und für den Kulturaustausch, die im Integrationsrat der Stadt Essen ringt und kämpft, dass das, was die Generation ihrer Eltern begonnen hat, nicht nur weitergeführt, sondern auch ausgebaut wird.

DISZIPLIN, AUSDRUCK, EMOTIONEN

Klack, klack-klack, klack-klack. Im Rhythmus der Gitarrenmusik stampfen die Schülerinnen mit ihren Schuhen auf den Boden der Übungshalle in der Franziskanerstraße. Flamenco-Unterricht mit Tänzerin Rafaela Escoz, die höchste Disziplin einfordert. Jeder Schritt muss sitzen, die Arme dürfen nicht irgendwie herumwedeln, die Haare gehören zusammengebunden. Ihr Mann, Juan Fernando Luengo, spielt die typischen Flamenco-Takte auf der Gitarre. Hier geht es um Ausdruck, um Emotionen, um Freude, Trauer, Schmerz – alles oder nichts.

DIE BILINGUALE NOTE

Die Flamenco-Kurse stehen beim spanischen Elternverein und in der spanischen Gemeinde hoch im Kurs. Und hier tanzen nicht nur gebürtige Spanier. „Bei uns sind Spanien, Deutschland, Italien, Polen und Mazedonien vertreten“, erzählt das Lehrerpaar. „Flamenco ist universell.“ Regelmäßig gibt es Trainingseinheiten für die jeweiligen Altersgruppen, Aufführungen inklusive. Bei den Älteren (ab 11 Jahre) wirbt die Tänzerin eifrig für neue Teilnehmerinnen. „Jeder kann Flamenco lernen. Und eigentlich kann man schon nach wenigen Trainings auf die Bühne“, meint Escoz. Währenddessen sitzt Fernandez-Moser an den Kursplänen für das kommende Halbjahr. Der spanische Elternverein bietet Spanisch-Kurse für Muttersprachler, Spanisch als Fremdsprache und Deutsch als Fremdsprache für alle Niveaus. Dazu kommen Folklore-Tanzkurse (Jotas), Gymnastikkurse, Ausflüge, Feste, Museumsbesuche, Konzerte – mit der besonderen spanischen oder bilingualen Note. Immer am letzten Dienstag eines Monats präsentiert der Verein Kinofans das „Ciñol“, spanisch-sprachige Filme mit deutschen Untertiteln im Film Studio auf der Rüttenscheider Straße.

Besonders am Herzen liegen der Vorsitzenden die zweisprachigen Kinder-Spielgruppen „Mi casita verde“ und „Arco Iris“, heißen die Projekte , in der Kleinkinder in denen die Kinder spielerisch ans Spanische herangeführt werden. „Am regulären zweisprachigen Unterricht in Schulen arbeiten wir noch“, schmunzelt sie. Immerhin: Ein bilinguales Projekt Deutsch- Spanisch gibt es bereits: an der Cranachgrundschule in Essen. Verständigung ist ihre Lebensaufgabe geworden, der Verein die Plattform, die Begegnung möglich macht. „Akzeptanz und Integration beruhen auf Gegenseitigkeit. Das hat uns überleben lassen“, sagt Fernandez-Moser. „Daran kann jeder, der in friedlicher Absicht kommt, mitwirken und teilhaben!“

Infos: www.apf-essen.de

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