Teaser 4

Atze Schröder spricht über seinen Glauben

Comedian Atze Schröder, Foto: Boris Breuer
September 2022

5 Fragen an... Atze Schröder

EIN TYP WIE EINE WUNDERTÜTE

Seit fast 30 Jahren ist Atze Schröder im Comedy-Geschäft. Vor allem mit derben Scherzen hat er Fan-Herzen erobert und regelmäßig für ausverkaufte Häuser gesorgt. Womit er in jüngster Zeit von sich reden macht, dürfte manche überraschen. In seiner in diesem Jahr erschienenen  Biografie „Blauäugig“ erzählt der Komiker neben heiteren Anekdoten auch von Tragischem, zum Beispiel von seinen beiden Onkeln und seiner Oma, die alle selbst ihrem Leben ein Ende setzten, weil sie bestimmte Erlebnisse nicht verkrafteten. Zudem zeigt Atzes Podcast „Betreutes Fühlen“, in dem er mit dem Psychologen Leon Windscheid Emotionales beleuchtet: Dieser Typ ist wie eine Wundertüte. Und erstaunlich auch das: Atze ist als Mann aus Essen-Kray berühmt geworden – hat aber nie hier gelebt.

BENE: Herr Schröder, Sie sind kurz nach Ihrer Geburt mit Ihrer Familie aus dem Ruhrgebiet weggezogen. Ihre Bühnenfigur Atze haben Sie aber in Essen-Kray angesiedelt. Warum?

Atze Schröder: Weil mich die Mentalität und die Sprache im Ruhrgebiet immer schon begeistert haben. In Essen habe ich auch noch viel Verwandtschaft und kenne mich gut aus. Wenn ich hier spiele, fahre ich vor dem Auftritt immer noch auf ein Stück Kuchen bei meiner Tante
vorbei.

Groß geworden sind Sie im katholischen Münsterland. In Ihrer Biografie sparen Sie nicht mit Kritik an der Kirche. Sind Sie noch „Vereinsmitglied“?

Es fällt mir im Moment schwer, mich zur Institution Kirche zu bekennen. Aber ja, ich bin katholisch. Ich war sogar Messdiener früher! Man kriegt es schwer verpackt heute. Einerseits ist das Image der Kirche so schlecht. Andererseits kenne ich so viele Leute, die so viel Gutes
in der Kirche machen. Engagierte Priester, ehrenamtlich arbeitende Frauen … Es ist so ungerecht, dass die alle mit runtergerissen werden!

Wie macht sich der christliche Glaube in Ihrem Leben bemerkbar?

Erst mal ist „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ für mich das Lebensmotto schlechthin. Daran fehlt es momentan ja überall ziemlich. Moralisches Verhalten ist ein hohes Gut für mich. Ich versuche schon, die Zehn Gebote in mein Leben einfließen zu lassen. Das Ganze will ich aber nicht nur auf die Kirche bezogen wissen. Das ist der Grundsatz, um in die Welt zu gehen.

Wie kam es zu dem Wandel, dass Sie mittlerweile auch über dunklere Themen sprechen?

Als ich Anfang 2020 in der Sendung von Markus Lanz auf die Holocaustüberlebende Eva Szepesi getroffen bin, hat das viel für mich verändert. Das beschreibe ich auch im Buch. Dann die Pandemie: Ich durfte zwei Jahre nicht auf die Bühne. Da fängt man an, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, und stellt fest, dass die Leute auch Ernsteres interessiert. Gleichwohl ist mir wichtig, den Menschen jetzt wieder mit meinen Bühnenprogrammen eine gute Zeit zu bereiten. Wenn man dann zu Hause mit den schweren Themen konfrontiert ist, kann man die vielleicht besser ertragen, wenn man vorher mal zwei Stunden Leichtigkeit erlebt hat.

Sie werden Ende September 57 Jahre alt. Ihr Vater hat Ihnen zum 50. prophezeit: „Das Beste kommt noch!“ Hatte er recht?

Ja, er hatte recht! Trotz der Pandemie: Mein persönliches Erleben ist besser als vorher. Und auch beruflich:  Dass sich mit unserem Podcast „Betreutes Fühlen“ noch mal ein ganz neues Feld für mich eröffnet, das so einen Spaß macht und so erfolgreich ist – damit hätte ich nie gerechnet! Das ist schon verrückt.

Das Gespräch führte Sandra Gerke.

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