Bekenntnisse

5 Fragen an: Bärbel Schäfer

MODERATORIN MACHTE SICH NACH HARTEN SCHICKSALSSCHLÄGEN AUF DIE SUCHE NACH GOTT

Bisher war Gott für Bärbel Schäfer (53) keine Option, sagt sie ganz offen. Nach-dem sie innerhalb eines Jahres Bruder und Vater verlor, änderte sich das jedoch schlagartig. Die Moderatorin fiel „aus der Spur“, wie sie selbst sagt. Auf der Suche nach Halt und Trost begab sie sich auf eine Trauerreise. Im Gespräch mit BENE spricht sie über diese schwierige Zeit. 

BENE: Frau Schäfer, Sie mussten gleich zwei Schicksalsschläge verkraften.

Bärbel Schäfer: Ich habe ein Jahr erlebt, das es so nicht mehr geben wird, ein Jahr des Vorhers und des Nachhers. Ich musste den plötzlichen Unfalltod meines Bruders und den langsamen Abschied von meinem Vater ertragen, der an einer Herzerkrankung starb. Ich habe mich gefragt, ob es etwas gibt, das mir Kraft geben kann. Ich wollte wissen, ob es für gläubige Menschen in so einer Situation andere Leitplanken als für ungläubige Menschen gibt.

BENE: Wie kann man sich diese Art der  Trauerreise vorstellen?

Bärbel Schäfer: Ich habe Menschen aus verschiedenen Glaubensrichtungen ge-fragt, welche ,Schlüssel‘ sie haben, wenn sie trauern. Wer ist ihnen dann nah, woran halten sie sich fest? Dabei habe ich festge-stellt, dass Trauerrituale häufig identisch sind. Sie sind hilfreich, da sie ein Gerüst darstellen, um sich der Trauer formalisiert zu stellen. Das hilft vielen.

BENE: Konnten Sie bei Gott Trost finden?

Bärbel Schäfer: Bei mir ist der Funke, ehrlich gesagt, nicht übergesprungen. Ich hatte auf meiner Reise viele Momente, in denen ich Kraft tanken konnte, das waren zum Beispiel Momente in der Natur oder während eines intensiven Gesprächs. Aber tatsächlichen Trost dafür, dass ich keine große Schwester mehr bin, gibt es nicht. Da hilft mir auch kein Gebet. Der Mensch, der mein Lebenszeuge ist, der mein Eltern-haus kennt, ist unwiederbringlich weg. Die Vorstellung, dass er auf einer Wolke sitzt

„Der Funke ist bei mir

nicht übergesprungen“ und auf mich hinunterblickt, hilft mir nicht. Da ist er mir kein Partner im Alltag, da wird aus unserem Dialog ein Monolog meiner-seits, und das ist nicht sehr befriedigend.

BENE: Dennoch muss das Leben irgendwie weitergehen. Was hilft Ihnen dabei?

Bärbel Schäfer: Ich glaube an das Leben in all seinen Facetten. Ich glaube an das Hier und Jetzt, und ich glaube an unsere Fähigkeit, zu lieben. Ich bin kein Mensch, der für sein Glück oder Unglück Gott verantwort-lich macht. Ich habe gelernt, dass ein Verlust immer ein Verlust bleibt, doch wenn man es schafft, mit dieser Lücke umzuge-hen, kann sich daraus Neues entwickeln.

BENE: Sind Sie inzwischen wieder „in der Spur“?

Bärbel Schäfer: Ich weiß, dass das Leben viele Spuren hat. Man muss manchmal einfach sehr schmerzhafte Umwege  fahren, um dann wieder auf den eigenen Lebensweg zurückzukommen.

Das Gespräch führte Kathrin Brüggemann

Foto: Anja Jahn

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