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Was geht denn hier (auf und) ab?

Mann, der in einem Paternoster auf und ab fährt. Ein Paternoster ist ein Aufzug mit zwei nebeneinander liegenden Schächten, die sich permanent auf und ab bewegen.

Aufzüge vom Typ "Paternoster" findet man zum Beispiel in den Rathäusern von Bochum, Duisburg und Oberhausen oder im Essener „Deutschlandhaus“, Foto: Nicole Cronauge

Bei ihnen läuft’s nach wie vor rund: Aufzüge vom Typ „Paternoster“ sind zwar zweifellos Oldtimer, aber an vielen Stellen in unserer Region noch aktiv. Zum Beispiel in den Rathäusern von Bochum, Duisburg und Oberhausen oder im Essener „Deutschlandhaus“. Ihr Prinzip: Sie befördern einen nicht wie gewöhnliche Aufzüge per Knopfdruck in die Wunsch-Etage. Stattdessen sind mehrere Fahrkabinen gleichzeitig im Einsatz, die sich in zwei nebeneinander liegenden Schächten permanent auf und ab bewegen – ohne Tür. Wer mitfahren will, muss den kurzen, richtigen Moment zum Einsteigen abpassen. Drehen Sie doch hier mit BENE mal eine Runde im Paternoster! Unterwegs gibt’s Spannendes zu erzählen.

Los ging die Fahrt mit solchen „Umlaufaufzügen“, wie sie in Fachkreisen heißen, in England: 1868 und 1876 sollen die ersten in Liverpool und London, 1886 dann auch in Hamburg an den Start gegangen sein – noch mit Dampfkraft betrieben. Wurden zunächst hauptsächlich Waren damit befördert, konzipierte man sie schließlich vornehmlich als Personen-Transportsystem. „Es ist eine sehr einfache Technik. Und der Vorteil ist: Diese Aufzüge erlauben auf kleinem Raum eine hohe Förderleistung“, erklärt Axel Stohlmann von „TÜV Nord Systems“. Als Leiter des Fachgebiets Fördertechnik verantwortet er unter anderem die Prüfung von Aufzuganlagen von Nordrhein-Westfalen bis nach Norddeutschland.

Viele Hunderte Paternoster-Aufzüge hat es in Hoch-Zeiten in Deutschland gegeben. „Oft in Gebäuden mit Publikumsverkehr. Sie waren aber nie der vorherrschende Aufzugtyp, sondern immer nur eine Alternative“, erklärt Axel Stohlmann. Heute seien hierzulande immerhin noch rund 240 Paternoster-Aufzüge in Betrieb, schätzt er. „Ein offizielles Kataster für alle Bundesländer gibt es nicht.“

„Paternoster“ ist – natürlich – lateinisch und bedeutet: Vaterunser. Ob man damals den Namen des berühmten Gebets für den Aufzug gewählt hat, weil das Ein- und Aussteigen so riskant ist, dass man göttlichen Beistand erbitten muss? „Nein“, winkt Axel Stohlmann lachend ab. „Angst ist unnötig. Diese Aufzüge sind ja nicht unsicher. Man muss einfach nur beim Benutzen Bestimmtes beachten.“ Was das ist, will er gleich erklären, zunächst aber erst einmal den Namen: „Die einzelnen Kabinen des Paternoster-Aufzugs hängen an zwei umlaufenden, ,unendlichen‘ Ketten wie die Perlen an einem Rosenkranz.“ Der Vergleich mit der christlichen Zählschnur leuchtet ein: Teil des Rosenkranzgebets ist das „Vaterunser“, also Paternoster.

Neue Paternoster-Aufzüge dürfen in Deutschland nicht mehr errichtet werden. Bei den bestehenden Anlagen überprüft der TÜV regelmäßig die Technik – und die Maßnahmen, die die jeweiligen Betreiber zur sicheren Verwendung getroffen haben. „Es hat immer wieder durch nicht bestimmungsgemäße Nutzung auch Unfälle gegeben. Da haben zum Beispiel Leute Fahrräder oder Leitern im Paternoster transportiert, die sich dann verkantet haben“, berichtet Experte Stohlmann. „Man hat in Deutschland in den letzten 20 Jahren zahlreiche Anläufe gemacht, die Paternoster zu verbieten. Bisher ohne Erfolg. Es ist ein Konflikt: Auf der einen Seite sind diejenigen, die die Aufzüge zum Denkmalschutz erhalten möchten. Und auf der anderen Seite die Arbeitsschützer. Der eine sieht nur sein schönes Technik-Denkmal. Der andere sieht die höhere Gefährdung durch die fehlenden Türen“, beschreibt Axel Stohlmann.

Der Elektro-Ingenieur selbst meint: „Diese Anlagen passen nicht mehr in unsere Zeit. Der Mensch von heute hat zu viel Vertrauen in die Technik und geht davon aus, dass alles ,idiotensicher‘ ist, voller Schutzmechanismen. Aber diese Aufzüge muss man eben aufmerksam und mit Verstand nutzen.“ Beachte man dies nicht, sei das Risiko hoch. Und so scheint Paternoster-Betreibern – zumindest in weiterer Zukunft – wahrscheinlich nur das zu bleiben, was Leserinnen und Lesern dieses Artikels jetzt schon bevorsteht: Vorsichtig aussteigen!

Text Sandra Gerke

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