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Warum bringt ein Hase Eier? Infos rund um Ostern

WARUM BRINGT EIN HASE EIER?

Okay, so viel ist klar: Ostern feiern wir, dass Jesus den Tod überwunden hat. Drei Tage nachdem er am Kreuz gestorben war und man ihn in einem Höhlengrab bestattet hatte, war sein Leichnam auf einmal verschwunden. Zunächst verkündete es ein Engel den Hinterbliebenen, dann erschien Jesus selbst und überzeugte sogar die, die es zunächst nicht glauben konnten: Er ist auferstanden! So weit die überlieferte Geschichte. Doch wo, bitte schön, kommen da jetzt der Hase und die Eier ins Spiel? Die typischen Ostersymbole sind nun wirklich nicht selbsterklärend – deshalb übernimmt BENE das: dem Langohr und den bunt bemalten Hühnererzeugnissen auf der Spur …

1. Was war zuerst da – der Hase oder das Ei? Auf diese Frage gibt es eine eindeutige Antwort: Das Ei war lange vor dem Osterhasen das Symbol des christlichen Auferstehungs- festes.

2. Das harte, kalte Ei mit der blutrot gefärbten Schale symbolisierte den Tod – hinter dem sich letztlich das Leben entdecken lässt, wenn man die Schale durchbricht. So wie es die Frauen am Höhlengrab Jesu taten.

3. Im 12. Jahrhundert führte die Kirche die feierliche „Eierweihe“ in der Ostermesse ein. Manche Menschen vergruben ein gesegnetes Ei oder seine Schalen auf ihrem Acker in der Hoffnung auf eine gute Ernte.

4. Die Tradition lässt sich über 1000 Jahre zurückverfolgen: Am Ostermorgen schenkten die Christen einander durch Erhitzen haltbar gemachte Eier. Die waren nicht bunt, sondern ausschließlich rot gefärbt.

5. Das köstliche Ei als Sinnbild des Lebens: Früher galt es als „flüssiges Fleisch“. Da man in der Fastenzeit auf Fleisch verzichtete, waren auch Eier tabu. So machte der Genuss an Ostern besonders Freude.

6. Es wurde bunter: Ab dem 12./13. Jahrhundert bemalte und verzierte man Ostereier mit verschiedenen Farben und Techniken. In Österreich waren rote Eier bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 die Regel.

7. Mit der Reformation kam Kritik der Protestanten am Osterei und an seinem Zusammenhang mit der katholischen Fastenzeit auf. Die evangelische Sicht: Gott wird man nicht durch Fasten gerecht, nur durch den Glauben.

8. Um 1800 setzte sich das Osterei auch im evangelischen Bürgertum durch: nicht als religiöses Symbol, sondern als Teil eines romantisch inszenierten Familienfestes. Dabei war es üblich, dass Kinder die Eier suchten.

Der Osterhase war ursprünglich evangelisch: Er bekam um 1800 eine (Eier) tragende Rolle bei der Osterfeier des protestantischen Bürgertums in den Städten. Was er symbolisieren sollte? Gerne wird bei Erklärungsversuchen auf die Fruchtbarkeit der Hasen oder auf ihr Verhalten während der vorösterlichen Paarungszeit verwiesen: Hasen verharren still auf einer Stelle – die dann Ort der Eierablage sein könnte –, um dann plötzlich davonzuhoppeln. Wirklich schlüssig ist das alles nicht: Mit dem eigentlichen Hintergrund des Osterfestes, dem Glauben an die Auferstehung Jesu, hat das Tier nichts zu tun.

Doch man muss zugeben: Der Hase hatte einfach einen Lauf. Seine erfolgreiche Ausbreitung sollen drei Phänomene beflügelt haben: Süßwaren, Kinderbücher und Postkarten. Im 19. Jahrhundert, als gerade entdeckt worden war, dass sich aus bestimmten Rüben Zucker gewinnen ließ, bot das Langohr der Industrie eine neue Absatzmöglichkeit. Mit essbaren süßen Hasen in jeder Form ließ sich ein neues „Kinderschenkfest“ ausstatten, das später auch erwachsene Leckermäuler mit einbezog. Und es tauchten immer mehr „vermenschte“ Hasenfamilien in Kinderbüchern auf: Als vornehmliches Interesse dieser Tiere wurde die Produktion von besonders schönen Ostereiern für besonders liebe Kinder präsentiert. Während die Kinder lasen, schrieben und verbreiteten die Erwachsenen Ostergrüße auf Postkarten mit meist kitschig dargestellten Hasen.

Erst ab den 1930er-Jahren war der Hase nicht mehr nur in den Städten, sondern ebenso in ländlichen Regionen bekannt. Auch die Konfessionsgrenzen hatte er zu dieser Zeit überschritten und Einzug ins Brauchtum katholischer Familien gehalten.

Und heute? Scheint das Langohr präsent wie nie, zum Beispiel als Werbefigur oder Deko-Objekt. Er ist schon irgendwie ein schräger Vogel, dieser Hase. Aber wenn er hier und da für Freude sorgt – warum nicht? Wir sind ja tolerant.

Text: Sandra Gerke
Mitarbeit: Manfred Becker-Huberti