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Wer waren die „Heiligen Drei Könige“ wirklich?

Foto: AdobeStock/Agata Sobczyk

Dezember 2023

GEHEIMNISVOLLE STARS MIT STERN

Drei Könige sollen dem kleinen Jesus Geschenke gebracht haben

Diese Lichtgestalten sind wohl die berühmtesten Geschenke-Überbringer aller Zeiten: Die „Heiligen Drei Könige“ sollen den neugeborenen Jesus mit Gold, Weihrauch und Myrrhe – besonders zur damaligen Zeit wertvolle Gaben – beschert haben als Zeichen der Verehrung und Anerkennung des Gottessohnes. Figuren der drei Männer sind auch heute noch Bestandteil jeder Krippe. Und Hunderttausende Jungen und Mädchen schlüpfen jedes Jahr rund um den 6. Januar, den Dreikönigstag, in ihre Rollen, um beim „Sternsingen“ Geld für Kinder in Not zu sammeln. Was kaum jemand weiß: Die meisten überlieferten Details der alten Erzählung stammen nicht aus der Bibel. Sie sind Teil einer späteren Legendenbildung. Was steckt dahinter? Das weiß Rebekka Groß zu berichten. Die Theologin ist bei der Katholischen Erwachsenen- und Familienbildung (KEFB) im Bistum Essen tätig. Zu ihren pädagogischen Angeboten gehören unter anderem auch biblische „Fakten-Checks“.

Drei Könige kamen von weit her, um Jesus zu sehen. So viel ist klar, oder?

Tatsächlich steht weder etwas von der Anzahl der Männer in der Bibel, die Jesus, Maria und Josef gesucht und gefunden haben sollen, noch, dass es sich um Könige handelte. „Alles geht zurück auf eine Geschichte im Matthäus-Evangelium (Kapitel 2, Verse 1 bis 12): Matthäus hat seinen Text auf Griechisch verfasst. Er nutzte das Wort ,magoi‘, das ursprünglich Priester aus Persien bezeichnete, aber auch allgemein Gelehrte. Die deutsche Einheitsübersetzung machte daraus ,Sterndeuter‘“, erklärt die Essener Theologin Rebekka Groß. „Das Matthäus-Evangelium nennt nicht die Anzahl der ,magoi‘. Von dreien ist das erste Mal in einer Schrift aus dem Jahr 200 die Rede. Das setzte sich historisch durch. Wahrscheinlich führte man das auf die drei Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe zurück, von denen Matthäus tatsächlich schrieb. Die ,magoi‘ wurden das erste Mal um das Jahr 500 als Könige bezeichnet. Das geht wohl auf eine alte biblische Prophezeiung zurück, die besagte, dass Könige aus aller Welt dem Sohn Gottes huldigen würden.“

Caspar, Melchior und Balthasar: Was hat es mit den Namen auf sich?

„Die Namen Caspar, Melchior und Balthasar findet man in verschiedenen Variationen ab dem sechsten Jahrhundert in der lateinischen Tradition, auf der sich unsere Kirche begründet. In den syrischen, armenischen oder äthiopischen Überlieferungen finden sich andere Namen. Ihr genauer Ursprung ist ungeklärt“, sagt Rebekka Groß.

Wie steht’s um den Stern, dem unsere „Stars“ angeblich folgten?

Er ist ein leuchtendes Beispiel für den biblischen Ursprung der Geschichte. An besagter Stelle im Matthäus-Evangelium heißt es: „Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.“

Ein „Star-Kult“ entstand

„Der Legende nach fand die heilige Helena (*250, +320), Mutter von Kaiser Konstantin, die Gebeine der ,Könige‘ in Palästina und nahm sie mit nach Italien. Kaiser Friedrich Barbarossa brachte sie im zwölften Jahrhundert nach Köln, wo sie in einem prunkvollen Schrein ausgestellt wurden. Der große Andrang von Pilgern führte zum Baubeginn einer größeren Kathedrale: des heutigen Kölner Doms“, schildert die Expertin. Noch heute ist der goldene Drei­königenschrein dort zu sehen.

Im Mittelalter entstanden viele Bräuche rund um die „Drei Könige“. „Weil sie unter anderem als Schutzpatrone von Haus und Hof galten, begann man, Häuser, Tiere
und anderes zum Schutz mit ihren Initialen ,C-M-B‘ zu kennzeichnen, eingebettet in die Jahreszahl. So machen es Kinder bis heute bei der ,Sternsinger‘-Aktion, die, daran angelehnt, in den 1950er-Jahren ins Leben gerufen wurde. Die Initialen der Könige deutete man allerdings um: ,C+M+B‘ steht hier für ,Christus Mansionem Benedicat‘, lateinisch für ,Christus segne dieses Haus‘“, so die Theologin. Auch 2024 werden wieder viele Kinder in den Gemeinden im Bistum Essen rund um den 6. Januar zum Sternsingen unterwegs sein.

 

Königs-Kunst in der Essener City

Das Bistum beherbergt gleich zwei historische Schätze, die die berühmte Krippenszene zeigen

„Anbetung der Könige“ ist der Name dieses Ölgemäldes auf Holz, das in der Seitenkapelle der Kirche St. Johann in der Essener Innenstadt zu sehen ist, in direkter Nachbarschaft zum Dom. Es war Teil des früheren Essener Hochaltars und ist mit Rahmen 2,60 Meter hoch und fast 1,80 Meter breit. Bartholomäus Bruyn der Ältere soll es zwischen 1522 und 1525 in Köln gemalt haben. Er hat die „Anbetung der Könige“ als öffentliches Ereignis dargestellt und zeigt die Könige, wie in dieser Zeit, der Renaissance, üblich, in drei verschiedenen Lebensaltern. Sie symbolisieren zudem durch unterschiedliche Hautfarben und Kleidung die Kontinente Europa, Asien und Afrika.

m Skulpturen-Raum des Essener Domschatzes ist dieses aus Eiche geschnitzte Kunstwerk zu sehen: die „Anbetung der Heiligen Drei Könige“. Es ist zwischen 1520 und 1530 in Köln entstanden in der „Werkstatt Wilhelm von Arborch“ (56,8 x 48 x 31 cm), wohl als Teil eines Altaraufsatzes. Maria sitzt hier, an eine Säule gelehnt, auf Getreidegarben mit dem Baby auf dem Schoß. Hinter ihr hat Josef seinen Hut abgenommen und hält ihn vor den Körper – aus Respekt vor den Ankömmlingen. Die prunkvoll gekleideten Könige – die auch hier die drei Lebensalter und die damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika repräsentieren – treten dem kleinen Jesus mit kostbaren Geschenken gegenüber.

www.domschatz-essen.de

Text Sandra Gerke

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