Juni 2026
DER SUPERSTAR
BENE hat die Sonne im Blick
Text Sandra Gerke
Ohne sie wäre alles – nichts: Die Sonne ist so weit von uns entfernt, und doch macht sie das Leben auf der Erde erst möglich. „Sie ist die Grundlage und auch Mitte unserer Existenz in vielerlei Hinsicht“, bestätigt Susanne Hüttemeister, Professorin für Astrophysik und Leiterin des Planetariums Bochum. Wenn das nicht ein Grund ist, diesen besonderen Stern einmal näher zu beleuchten! Lassen Sie uns doch mal ein bisschen Sonne tanken …
SETZEN WIR DIE SONNENBRILLE AUF UND BETRACHTEN DIE FAKTEN
Die Sonne ist einer von etwa 200 bis 300 Milliarden Sternen in unserer Galaxie, der Milchstraße. Für uns Erdlinge spielt sie eine besondere Rolle. „Sie ist unser Stern des Lebens“, bringt es Susanne Hüttemeister auf den Punkt. Die Astrophysikerin erklärt: „Ohne die Sonne würden auf der Erde nicht nur keine lebensfreundlichen Bedingungen herrschen – sie würde gar nicht existieren. Denn die Sonne, die Erde und auch alle anderen Planeten in unserem Sonnensystem entstanden gemeinsam vor etwa 4,5 Milliarden Jahren aus einer Wolke aus Gas und Staub. Ohne die Sonne, die sich in der Mitte dieser Wolke bildete, hätten sich keine Planeten entwickeln können.“
Die Sonne hat einen Durchmesser von knapp 1,4 Millionen Kilometern. Zum Vergleich: Ihr Volumen ist so groß, dass 1,3 Millionen Erden hineinpassen würden. Neben der Erde umgeben die Sonne noch sieben weitere Planeten: Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Planeten unterscheiden sich von Sternen darin, dass sie nicht von selbst leuchten, sondern nur Licht reflektieren. Die Sonne ist der Superstar: 80 Prozent aller Sterne sind weniger leuchtkräftig als sie.
SPRÜCHE KLOPFEN
Zum Glühen bringt der Superstern auch unsere sprachliche Schaffenskraft: Wir schätzen andere für ihr „sonniges Gemüt“ oder dass sie „ein Sonnenschein“ sind. Wir hoffen, dass wir alle wieder mehr „auf der Sonnenseite des Lebens“ stehen. Denn uns ist klar: „Nach Regen folgt Sonnenschein.“ Und wer dann so richtig Glück hat, dem scheint die Sonne aus dem … Allerwertesten. Ihnen fallen sicher noch mehr Redewendungen ein, oder?
AUSWIRKUNGEN AUF DIE ERDE
Die Sonne ist etwa 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. „Das ist genau der ,richtige‘ Abstand, um flüssiges Wasser auf der Erdoberfläche zu erlauben. Und Leben, wie wir es kennen, ist auf flüssiges Wasser angewiesen“, führt Susanne Hüttemeister vor Augen. „Eine Voraussetzung für die Entstehung höheren Lebens war überdies die Photosynthese: Der biologische Prozess erlaubt Pflanzen, Sonnenlicht direkt zu nutzen und dabei Sauerstoff freizusetzen, den wiederum Tiere und Menschen zur Energiegewinnung nutzen.“
Das Zusammenspiel der beiden Himmelskörper strukturiert unsere Zeit. Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um ihre eigene Achse: Die Seite, die zur Sonne zeigt, hat Tag, auf der anderen ist es Nacht. In 365 Tagen umkreist die Erde einmal die Sonne: Das definiert unser Jahr.
SCHATTEN IM BLICK
Sie wärmt, aber kann ebenso austrocknen. Sie ermöglicht Wachstum, aber schafft auch Wüsten. Setzen wir uns ihr zu lange ungeschützt aus, verbrennt unsere Haut und nimmt nachhaltig Schaden. Bekommen wir andererseits zu wenig von ihrem Licht ab, drohen zum Beispiel Vitamin-D-Mangel oder gar Depressionen. Dass die Kraft der Sonne so gegensätzlich wirkt, macht sie auch zu einem Symbol für Balance. Das ewige Wechselspiel zwischen Licht und Dunkelheit ließ sich für die Menschen schon immer leicht aufs Leben übertragen.
„SONNE DER GERECHTIGKEIT“
Das ist nicht nur der Titel eines bekannten Kirchenliedes (im „Gotteslob“ unter der Nummer 481 zu findean). Die Sonne scheint als Motiv quasi durch die ganze Bibel: von der Schöpfungsgeschichte der Welt, die im Alten Testament erzählt wird, bis zu den Schilderungen vom Wirken Jesu im Neuen Testament. So heißt es zum Beispiel im Johannesevangelium (Kapitel 1, Vers 5): „Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm.“ Jesus als Sohn Gottes wird im Christentum als „Licht dieser Welt“ gesehen.
Wenn wir Weihnachten seine Geburt feiern, ist das nicht, weil er wirklich ein „Dezemberkind“ war. „In welchem Monat Jesus geboren wurde, lässt sich nicht genau sagen“, erklärte Theresa Kohlmeyer, Leiterin der Abteilung Liturgie und Glaubenskommunikation im Bistum Essen, bereits einmal in einer älteren Ausgabe von BENE (Nr. 53). Warum die Feier trotzdem in den letzten Monat des Jahres gelegt wurde? Im Dezember vollzieht sich die Wintersonnenwende, der Tag, der der kürzeste des Jahres ist. Danach kann man sich endlich wieder über mehr helle Stunden freuen. Um diese Zeit herum feierten viele Völker schon lange vor Christus ihre Feste, zum Beispiel die Germanen. „Die Kirche hat solche Feiertage oft übernommen und ihnen eine eigene Bedeutung zugeordnet“, so die Theologin. Die Symbolik dahinter: Mit Jesu Ankunft wird’s sonniger auf der Welt.
Dazu passt, was Theresa Kohlmeyer ergänzt: „Seit dem 16. Jahrhundert gilt es zwar nicht mehr für alle Kirchen, aber sie waren beziehungsweise sind ,geostet‘: Der Altar ist Richtung Sonnenaufgang gebaut. Das symbolisiert die Erwartung der Wiederkehr Jesu.“
DIE NÄCHSTE SONNENFINSTERNIS
Am 12. August steht das Naturspektakel an: In einem schmalen Streifen, der sich von Sibirien über Island bis Spanien erstreckt, wird eine totale Sonnenfinsternis zu beobachten sein. Der Neumond schiebt sich dann komplett vor die Sonne, es wird für wenige Minuten dunkel, und man kann die Korona, die äußere Atmosphäre der Sonne, sehen. Bei uns in Nordrhein-Westfalen erreicht die Bedeckung immerhin etwa 90 Prozent.
MALEREI, MUSIK UND MEHR
Die Sonne treibt die Kreativität der Menschen an. In der Kunst kommt sie immer wieder zum Vorschein. Gemälde wie Vincent van Goghs „Sämann“, der im goldenen Licht auf dem Feld arbeitet, oder Claude Monets „Impression, Sonnenaufgang“ sind weltberühmt. Und auch in der Musik spiegelt sich das Motiv in allen möglichen Genres wider. Udo Jürgens zum Beispiel drückte es in einem seiner Klassiker so aus: „Immer, immer wieder geht die Sonne auf. Und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht. Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf. Denn Dunkelheit für immer gibt es nicht.“
Tatsächlich, auch hier: ein zutiefst christlicher Gedanke. Denkt man an die Botschaft von Ostern, an Jesus, der auferstanden ist von den Toten, der die Dunkelheit überwunden hat, kann man feststellen: Dieser Glaube gibt Hoffnung auf Helligkeit und Wärme.
