Besserwisser

Sach wat! Mach wat!

Ob am Stammtisch, am Arbeitsplatz oder im Bus: Im Moment muss man sich vermehrt drastische Behauptungen, die sich gegen Menschen mit anderer Herkunft, Hautfarbe, Lebensart oder Religion richten, anhören. Doch wie reagiert man spontan darauf? Die Caritas im Bistum Essen bietet unter dem Motto „Sach wat!“ Argumentationstrainings gegen Stammtischparolen an. BENE hat Workshopleiterin Berfin Balik gefragt, wie man Sprücheklopfern den Wind aus den Segeln nimmt.

Ruhig bleiben und auf Gefühle eingehen

Wer mit einer provozierenden Stammtischparole wie „Die Flücht-linge nehmen uns die Arbeitsplätze weg“ konfrontiert wird, gerät sofort in die Defensive. Denn die Sprüche kommen unerwartet, die Parolenvertreter sind oft aufgebracht, lassen keine Zeit für ausführliche Gegenargumente. Jetzt heißt es: Ruhig bleiben, die Luft rausnehmen! Oft sind Aggressionen Gefühlsäußerun-gen, die auf tiefsitzende Ängste hinweisen können. Vielleicht eröffnet die Frage „Warum regst du dich so auf?“ eine neue Perspektive.

Deutliche Grenze ziehen

Auch wenn Zivilcourage wichtig ist, sollte man nicht in jedem Fall einschreiten. Ist der Parolenvertreter ein überzeugter Rechtsradikaler, der den Holocaust verherrlicht, ist das eine absolute Grenzüberschreitung. Hier handelt es sich nicht um Stammtischgerede, sondern um eine rechtsextreme, nationalistische Haltung. Das Gespräch sollte hier direkt beendet werden.

Pauschalisierungen hinterfragen

Oft beginnen Stammtischparolen mit Pauschalisierungen wie „Die Flüchtlinge“. In diesem Fall könntest du entgegnen, dass es sich nicht um eine einheitliche Gruppe handelt, sondern um individuelle Persönlichkeiten. Wenn du dann fragst: „Wer sind denn ,die‘ überhaupt?“ oder
„Kennst du ,die‘ persönlich?“, zwingst du den Parolengeber zum Innehalten. Generell ist es übrigens besser, von Geflüchteten anstatt von Flüchtlingen zu sprechen, da das Wort Flüchtling negativ besetzt ist.

Widersprüche aufdecken

Es ist erfahrungsgemäß so, dass Parolengeber häufig nicht nur eine, sondern gleich mehrere Sprüche raushauen. Es wird zum Beispiel oft gesagt: „Die Flüchtlinge nehmen uns die Arbeitsplätze weg“. Im gleichen Atemzug wird hinzugefügt: „Die sind nur hier, um unser Sozialsystem auszubeuten.“ Dann kannst du schnell reagieren, indem du direkt einwirfst: „Da hast du dir jetzt aber widersprochen. Nehmen die Geflüchteten uns die Arbeitsplätze weg oder liegen sie uns auf der Tasche?“

Die Unentschlossenen überzeugen

Meistens gibt es nicht nur erkennbare Pro- und Contra-Vertreter, sondern auch viele Abwartende, Unentschlossene. Diese sind vermut-lich eher zu beeindrucken als die Parolengeber, die meistens so von ihren Ansichten überzeugt sind, dass sie sich davon nicht abbringen lassen. Solidarisiere dich also mit den Unentschlossenen und ermuntere sie dazu, ihre Meinung zu sagen.

Mit Moral argumentieren

Versuche am besten, nicht belehrend aufzutreten, sondern deinem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen. Du solltest nicht moralisieren, sondern mit Moral argumen-tieren. Erhebe also nicht mahnend den Zeigefinger, sondern begründe deinen Standpunkt mit einem Hinweis auf die Menschenrechte, das Grundgesetz oder christliche Gebote. Das unterstreicht das sichere Fundament, auf dem deine Aussagen stehen.

Die Perspektive wechseln

Das oberste Gebot: Authentisch bleiben. Überzeugungsstärke, Entschiedenheit und Geradlinigkeit demonstrieren Stärke und Selbstbewusstsein. Sprich am besten eher leise und wähle deine Worte mit Bedacht. Ein Tipp: Bringe dein Gegenüber dazu, die Perspektive zu wechseln. Das schaffst du, indem du einfach fragst: „Was wäre eigentlich, wenn man selbst um Asyl bitten müsste?“

Brücken bauen

Hinter vielen Parolen kann eine
„subjektiv erlebte Wahrheit“ stecken, also eine Wahrheit, die der Sprücheklopfer in dem Moment wirklich so empfindet. Damit dieser das Gefühl hat, dass du ihn ernst nimmst und ihn nicht direkt verurteilst, könntest du zum Beispiel sagen: „Du hast möglicherweise recht mit deiner Aussage, aber hör‘ dir doch einfach mal an, wie ich die Situation einschätze.“ So entsteht eine Art Beziehung, und die starre Konfrontation wird aufgeweicht.

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