Besserwisser

Rosenkränze: Im Rundlauf zur innereren Ruhe

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September 2025

 

IM RUNDLAUF ZUR INNEREN RUHE

Der Reiz von Rosenkränzen

Er war einmal absolut „in“. Doch dann scheint er in den letzten Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geraten zu sein. Was genau ist denn noch mal ein Rosenkranz? Auch wenn diese besondere Kette nicht mehr so allgemein bekannt ist wie früher: Viele Menschen weltweit beten immer noch gerne damit. Auch in Kirchengemeinden im Bistum Essen, wo man zum Beispiel regelmäßig „Rosenkranzandachten“ feiert. Da nun der Oktober vor der Tür steht, der als „Rosenkranzmonat“ gilt, nimmt BENE hier den Faden einmal auf. Er führt auch in ein Essener Gefängnis – so viel sei jetzt schon verraten.

Wie sehen Rosenkränze aus?

Sie können aus Holz, Halbedelsteinen oder noch feinerem Material gefertigt sein: Rosenkränze setzen sich in der Regel aus 59 Perlen zusammen. Wie genau? Da ist zunächst einmal eine Art „Hauptkette“, die aus 50 kleineren Perlen besteht und fünf weiteren, die größer oder auf andere Weise auffälliger sind. Diese 55 sind aufgeteilt: Auf jeweils zehn kleine Perlen folgt immer eine einzelne der auffälligeren. Gemeinsam bilden sie einen geschlossenen Kreis – an den sich dann noch eine Art Anhänger angliedert: Der besteht aus drei kleineren Perlen, einer größeren und einem Kreuz.

Kleine Perlen, große Wirkung?

Ein Rosenkranz ist eine Gebetskette – und was kann das Ziel eines Gebetes sein? Alles Mögliche! Es kann Trost, Stärke, Ruhe, Hoffnung, Freude und vieles mehr schen- ken. Die Erfahrungen damit sind ganz individuell. „Das Charmante am Rosenkranz: Er ist ein Reihungsgebet, das heißt: Bestimmte Gebete und Sätze werden fortlaufend wiederholt“, erklärt Theresa Kohlmeyer, Theologin beim Bistum Essen. „Wenn ich mich auf die Wiederholungen einlasse, kann ich mich selbst fallen lassen. Das hilft, den Kopf freizubekommen und sich so Gott zu öffnen, seine Nähe zu spüren.“ Das Prinzip kenne man in vielen Religionen – und auch in nichtreligiösen Umfeldern. „Die ständige Wiederholung von Sätzen ist eine Methode, die viele Menschen nutzen: zur Meditation oder schlicht zur Entspannung“, so die Theologin.

Wie genau geht man mit einem Rosenkranz um?

Jede Perle steht für ein Gebet, das man der Reihe nach spricht, wenn man den Rosenkranz durch die Hand gleiten lässt. Startpunkt ist der Kreuzanhänger. Traditionell beginnt man hier mit einem Kreuzzeichen und sagt dazu: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Daraufhin spricht man das Glaubensbekenntnis („Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde ...“).

Nun geht’s einen Schritt weiter, dem Kreuz schließt sich eine der großen Perlen an. Diese und alle weiteren großen Perlen der Kette stehen für das „Vaterunser“. Bevor man an den jeweiligen Stationen der Kette dieses altbekannte Gebet spricht, wird oft noch diese Zeile gesagt: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewig- keit. Amen.“ Und die kleinen Perlen? Sie zeigen an, wann es Zeit ist für das „Ave-Maria“: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade ...“ Apropos Maria: Sie spielt eine besondere Rolle in der Entstehungsgeschichte des Rosenkranzes.

Welche Geschichte steckt dahinter?

Maria, die Mutter Jesu, wird in der katholischen und orthodoxen Kirche ganz besonders verehrt. Aus frühmittelalterlichen „Marienanrufungen“ entwickelte sich der Rosenkranz. Der Name der Kette greift die Rose auf, weil sie als das Symbol für Maria gilt.

Von einem Mann namens Adolph von Essen, der um das Jahr 1398 in das Kloster St. Alban in Trier eintrat, stammt die erste schriftlich festgehaltene Empfehlung, wiederholend das „Ave-Maria“ zu beten. Diese Tradition entwickelte sich immer weiter und führte schließlich zur heute noch bekannten Form und Nutzung der Gebetsschnur. Den entscheidenden Durchbruch der Rosenkranzfrömmigkeit bildete ausgerechnet ein Krieg: In der „Seeschlacht von Lepanto“ am 7. Oktober 1571 besiegte eine christliche Flotte das Osmanische Reich. Diesen Sieg glaubten die christlichen Mittelmeermächte mit Spanien an der Spitze wesentlich dem Rosenkranzgebet verdanken zu können. Der Oktober gilt seitdem als Rosenkranzmonat. Am 7. Oktober feiert die katholische Kirche das Fest „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“. Gemeint ist hier natürlich wieder sie: die Gottesmutter Maria.

ROSENKRÄNZE HINTER GITTERN?

Klaus Schütz ist als katholischer Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Essen im Einsatz – und hat dabei etwas festgestellt, was manche überraschen dürfte:

„Rosenkränze spielen bei uns durchaus eine Rolle. Es wird regelmäßig von Gefangenen nach Rosenkränzen gefragt. In der JVA Essen gebe ich pro Jahr zirka 100 Stück raus. Die Mehrzahl davon sind einfache Kunststoffrosenkränze, alle gespendet. Dass es sich um eine Gebetskette handelt, ist nicht allen Fragenden bekannt. Und auch die, denen es bewusst ist, wissen nicht unbedingt, wie man einen Rosenkranz betet, auch wenn ich gerne ein Faltblatt mit einer Anleitung dazugebe. Das wird vermutlich meistens schnell entsorgt.

Im Gefängnis ist ein Rosenkranz eher ein Symbol der Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft und Abgrenzungszeichen zu anderen Gruppen, zum Beispiel Muslimen oder ethnischen Gruppierungen, die eher nichtchristlich geprägt sind. Deshalb wird er oft wie eine Halskette getragen.

Natürlich kann man darüber streiten, ob es sinnvoll ist, zu fördern, dass ein Hilfsmittel zum Gebet quasi umfunktioniert wird. Aber ich finde es bemerkenswert, dass der Rosenkranz bei Menschen, die sonst nicht unbedingt sehr religiös geprägt sind, überhaupt bekannt ist und als christliches Symbol verstanden wird. Mundpropaganda unter den Gefangenen, aber manchmal auch nostalgische Erinnerungen an Großeltern, die vielleicht noch den Rosenkranz gebetet haben, geben ihm im Gefängnis seine Bedeutung.“

Text Sandra Gerke

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