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Katholisch - evangelisch: Das kleine BENE-Lexikon

2017 begeht die Evangelische Kirche ein großes Jubiläum. Gefeiert werden 500 Jahre Reformation, denn der 31. Oktober 1517 ist der Tag, an dem der Augustinermönch Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Ablass an die Wittenberger Schlosskirche genagelt haben soll. Es war die Geburtsstunde der Reformation, die zur Trennung von Rom führte. Seit dem 31. Oktober 2016 ist das Jubiläumsjahr mit vielen Veranstaltungen weltweit eingeläutet und im Unterschied zu früheren Jahrhundertfeiern stehen heute nicht mehr Abgrenzung und Trennung im Vordergrund, sondern das Verbindende zwischen den Konfessionen. So wird es auch im Ruhrbistum gemeinsame Veranstaltungen von Katholiken und Protestanten geben.

Was sind die wichtigsten Merkmale der beiden großen christlichen Kirchen und wo sind sich Katholiken und Protestanten vielleicht doch gar nicht so fern? Unser kleines Lexikon der ökumenischen Verständigung

GLAUBENSQUELLE

Für Katholiken und Protestanten steht der Glaube an Jesus Christus als Sohn Gottes und Erlöser im Mittelpunkt. Das Glaubensbekenntnis ist in beiden Kirchen gleich und spricht außerdem von Gott als Schöpfer und dem Heiligen Geist, der als Lebensspender und Kraftquelle gilt. Katholiken und Protestanten berufen sich auf die Bibel, die Heilige Schrift als entscheidende Grundlage, in der auch das „Vater unser“ als das wichtigste Gebet der Christen steht. Für Katholiken spielt die Tradition, also die Lehre, die sich innerhalb der Kirche entwickelt hat, eine wichtige Rolle. In beiden Konfessionen gilt das Sakrament der Taufe als Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirche. Die Taufe wird gegenseitig anerkannt.

GOTTESHÄUSER

Katholische Kirchen sind in der Regel ausgeschmückt mit Bildern, mit Marien- und Heiligenfiguren, sie zeigen die Stationen des Kreuzweges und haben einen Tabernakel im Altarraum, vor dem das ewige Licht brennt – als Zeichen der Gegenwart Christi in der geweihten Hostie. Evangelische Kirchen sind nicht nach Heiligen oder der Gottesmutter benannt, sie heißen in der Regel Erlöser-, Christus- oder Kreuzeskirche. Mit dieser Namensgebung wollten die Reformatoren die Konzentration auf Jesus Christus und die Erlösung am Kreuz unterstreichen. Wenn evangelische Kirchen dennoch „katholische“ Namen tragen, ist das ein Zeichen dafür, dass sie älter sind als die Reformation.

SAKRAMENTE

Scherzhaft könnte man sagen: „Bei den Katholiken gibt es fünf mehr für den gleichen Preis ...“. Taufe, Erstkommunion (Eucharistie), Firmung, Beichte (Sakrament der Versöhnung), Ehe, Weihe (zum Diakon, Priester, Bischof) und Krankensalbung heißen die katholischen Sakramente. Bei den Protestanten sind es lediglich Taufe und Abendmahl. Die Konfirmation ist kein Sakrament, die Möglichkeit der Teilnahme der protestantischen Christen am Abendmahl ist demnach schon mit Beitritt zum Christentum durch die Taufe gegeben. Auch wenn das Eheverständnis unterschiedlich ist, können Konfessions-verschiedene Paare selbstverständlich kirchlich heiraten. In der Evangelischen Kirche können auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten, in der Katholischen nicht.

FEIERTAGE

Ostern, Pfingsten, Weihnachten: Die großen christlichen Feste sind bei Katholiken und Protestanten gleich. In der Katholischen Kirche gibt es traditionell noch zahlreiche Heiligen- und Marienfeste (z. B. Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen, St. Martin, Nikolaus, Elisabeth). Die Protestanten begehen den Reformationstag, den Totensonntag und den Bußund Bettag. Genau genommen haben die Katholiken das Geschenkefest an Weihnachten der Reformation zu verdanken. Früher gab es nur am Nikolaustag Geschenke, nicht am Tag der Geburt Jesu. Umgekehrt ist es heute vielfach so, dass auch evangelische Kinder „Heiligen-Tage“ mitfeiern. Ein Martinszug steht dann weniger im Zeichen der Heiligenverehrung als im Zeichen der christlichen Nächstenliebe, die Martin von Tours vorgelebt hat. Im Jahr 2017 wird der Reformationstag am 31. Oktober übrigens einmalig in ganz Deutschland zum staatlichen Feiertag.

PERSONAL

Die Katholische Kirche folgt einem hierarchischen Prinzip: An der Spitze steht der Papst als Oberhaupt der weltweiten Kirche, es folgen Bischöfe und Pfarrer. Letztere werden von ihren Bischöfen ernannt. Ein weltweites Oberhaupt gibt es in der Evangelischen Kirche nicht. An der Spitze einer Landeskirche steht die Synode, in der die Gemeinden vertreten sind. Die Synode wählt den Präses oder den Landesbischof. Das so genannte Presbyterium (ein Gremium aus Gemeindemitgliedern) wählt Pfarrer oder Pfarrerin aus.

PILGERSTÄTTEN

Keine Heiligen, die um Fürsprache bei Gott bitten, keine Marienverehrung, kein Papst als Oberhaupt – das bedeutet für die Protestanten: keine klassischen Pilgerstätten. Rom, Santiago de Compostela, Lourdes, Kevelaer und Co. gehören in diesem Sinn zur typisch katholischen Frömmigkeit. Immerhin gab es aber jetzt auf überregionaler Ebene die erste gemeinsame Pilgerreise. Eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und der EKD reiste im Oktober erstmals gemeinsam ins Heilige Land an die Wirkungsstätten Christi.

GOTTESDIENSTE

Gerade im Ruhrgebiet gibt es inzwischen zahlreiche ökumenische Gottesdienste (in Schulen, bei Hochzeiten, zu Pfingsten und am Martinstag). Die Katholische Kirche lädt sonntags zur Heiligen Messe mit Eucharistie, im Sonntagsgottesdienst der Protestanten findet das Abendmahl im Schnitt einmal pro Monat statt. Im Zentrum stehen hier eher die Texte der Bibel und die Predigt. Beide Konfessionen haben ein eigenes Gesangsbuch. Viele Lieder sind jedoch in beiden Bücher gleich und können problemlos gemeinsam gesungen werden. Die Protestanten haben keine Messdiener, ihre Pfarrerinnen und Pfarrer tragen schwarzen Talar und Beffchen (weiße Halsbinde). Die Gewänder der katholischen Priester folgen einer liturgischen Ordnung im Kirchenjahr und sind verzierter und bunter.

POSITIONEN

Gemeinsame christliche Grundwerte sind heute mehr denn je gefordert. Gemeinsam treten beide Kirchen für eine gerechte Gesellschaft, für Arme und Schwache, für Flüchtlinge, für die gewaltlose Lösung von Konflikten und die Bewahrung der Schöpfung ein. Unterschiedliche Auffassungen gibt es trotzdem: Seit den 1970er Jahren können beispielsweise Frauen in der Evangelischen Kirche Pfarrerinnen werden. Die Katholische Kirche hält daran fest, nur Männer zu Priestern und Diakonen zu weihen, hat aber andere pastorale Berufe (Gemeinde- und Pastoralreferentinnen) für Frauen geöffnet. Immer wieder wird inzwischen auch über Diakoninnen diskutiert. Den Verzicht der Priester auf Ehe und Familie (Zölibat) begründet die Katholische Kirche damit, dass Priester dem Vorbild Jesu folgen, der nicht verheiratet war.

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