Besserwisser

Heisser Stoff! Die magische Wirkung von Weihrauch

Foto Simon Kadula/Shutterstock.com

Er gehört zu Weihnachten wie Maria zu Josef: der Weihrauch, der an Festtagen durch die Kirchen strömt und ein Gefühl von Feierlichkeit vermittelt. Doch er ist längst nicht mehr nur das Parfum Gottes: Mit seinem würzigen Geruch hat er es bis in die Flakons italienischer Modeschöpfer geschafft! So brachte zum Beispiel Giorgio Armani ein Parfum auf den Markt mit der Basisnote Weihrauch. Auch Räucherstäbchen oder Duftkerzen werden mit dem unverkennbaren Aroma verfeinert. BENE hat Feuer gefangen und mit Pater Abraham Fischer über den betörenden Rauch gesprochen, der Tradition und Moderne auf so sinnliche Art und Weise verbindet. Der Pater aus der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede ist Experte für den heißen Stoff: Als gelernter Kunstschmied stellt er selbst Weihrauchschalen her.

WAS IST WEIHRAUCH ÜBERHAUPT
Weihrauch (lateinisch olibanum) wird aus dem Weihrauchbaum gewonnen, der zur Gattung der Balsamgewächse gehört. Beim Schneiden in Stamm und Äste tritt Gummiharz aus, das zwei bis drei Wochen trocknen muss, bevor es geerntet werden kann. Weihrauchbäume wachsen in wüstenartigen Gegenden auf karger, kalkhaltiger Erde.

EINFACH ENTFACHEN
Es gibt in der Kirche ein spezielles Weihrauchfass (lateinisch turibulum), das hin- und hergeschwenkt wird, damit sich der Rauch im ganzen Raum entfalten kann. In dem Fass befindet sich Kohle, die so lange brennen muss, bis sie weiß verfärbt ist. Dann erst wird das Gummiharz auf die glühende Asche gelegt. Es verdampft und entfaltet den typischen Dunst, der als Weihrauch bezeichnet wird. Zur Isolierung der Hitze wird üblicherweise etwas Sand unter die Kohle gelegt.

WEIHRAUCH UND WEIHNACHTEN
Weihrauch soll neben Myrrhe und Gold eines der drei Geschenke gewesen sein, die die Heiligen Drei Könige Jesus und seinen Eltern mitbrachten. Mit dem Gold sollte Gottes Sohn geehrt werden. Myrrhe wurde vor 2000 Jahren zur Einbalsamierung der Toten verwendet. Weihrauch steht für das Göttliche in Jesus. An Weihnachten wird die Ankunft Gottes in der Welt gefeiert. Pater Abraham Fischer übersetzt die Frohe Botschaft so: „Habt keine Angst. Gott ist da.“

MEHR ALS NUR HEISSE LUFT
Weihrauch wird eingesetzt, um die Anwesenheit Gottes zum Ausdruck zubringen. Beweihräuchert werden alle Christussymbole im Kirchenraum, zum Beispiel der Altar, das Altarkreuz, der Priester und die Gläubigen. Weihrauch kann in allen heiligen Messen verwendet werden, aber auch bei Andachten und Prozessionen. Er symbolisiert Reinigung. Pater Abraham Fischer schwärmt von der Sinnlichkeit, die er mit dem Weihrauch verbindet. „Wer ihn riecht, denkt sofort an Kirche“, sagt er.

HEILENDE WIRKUNG
Weihrauch enthält sogenannte Boswelliasäuren, die eine entzündungshemmende Wirkung haben sollen. Das konnte allerdings wissenschaftlichnoch nicht eindeutig belegt werden. Als Naturheilmittel setzt sich das geheimnisvolle Gummiharz immer mehr durch. Es gibt zum Beispiel ein spezielles Weihrauch-Öl, das Gelenkschmerzen lindern soll.

WEIHRAUCH FÜR ZU HAUSE
Pater Abraham Fischer bietet im Klosterladen der Benediktinerabtei Königsmünster in Meschede Weihrauchschalen an.Sein Ziel ist es, den Zauber des Weihrauches auch an andere Orte zu bringen. „Die Kirche der Zukunft wird eine kleine Kirche sein“, glaubt der Theologe. „Gottesverehrung wird aber weiterhin stattfinden. In anderen, vielleicht auch nicht
christlich geprägten Räumen, zum Beispiel im eigenen Zuhause.“
Infos: www.abteiwaren.de

Text Kathrin Brüggemann