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Foto: shutterstock.com/Jenny Sturm

März 2026

UNSER TÄGLICHES BROT

Ein Stück gebackene Kulturgeschichte

Text Jutta Oster

Es zählt zu den wichtigsten Lebensmitteln – und ist zugleich viel mehr: Brot ist religiöses Symbol, Zeichen für Wohlstand, Zahlungsmittel, sogar Glücksbringer. Kein Wunder, dass es eine jahrtausendealte Geschichte hat. Besonders traditionsreich ist die deutsche Backkunst, die inzwischen zum immateriellen Weltkulturerbe zählt. Ein Streifzug durch die Kulturgeschichte des Brotes. 

3.200
Mehr als 3.200 unterschiedliche Brotsorten verzeichnet das Deutsche Brotinstitut. Dank dieser Vielfalt, die in der Welt wohl einmalig ist, wurde die deutsche Brotkultur im Jahr 2014 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet.

Das Brot in der Bibel
In vielen Religionen spielt das Brot als heilige Speise eine wichtige Rolle, gerade im Christentum. So erzählt die Bibel zahlreiche Geschichten rund um das Brot; mehr als 300-mal wird der Begriff erwähnt. Beispielsweise lässt Gott im Alten Testament Manna vom Himmel regnen und bewahrt die Israeliten auf ihrer langen Wanderung durch die Wüste auf diese Weise vor dem Hungertod. Im Neuen Testament tritt Jesus selbst als Brotgeber auf, nicht nur beim berühmten letzten Abendmahl. So zählt zum Beispiel die wunderbare Brotvermehrung zu den bekanntesten Erzählungen der Bibel: Obwohl ihm nur fünf Brote und zwei Fische zur Verfügung stehen, gelingt es Jesus, damit 5.000 Männer und ihre Familien satt zu machen. 

5. Mal
Am 5. Mai wird jährlich der Tag des deutschen Brotes gefeiert, eine Initiative des Bäckerhandwerks. Am 16. Oktober ist Welttag des Brotes. Damit wird es als wichtiges Grundnahrungsmittel gewürdigt.

Viel Glück!
Rund um das Brot entstanden vielerlei Mythen, es galt immer schon als wichtiger Glücksbringer. So gibt es vielerorts zum Einzug ins neue Heim oder zur Hochzeit Brot und Salz als Geschenk. 

Top 3 
Das Toastbrot liegt in der Gunst der Deutschen mit rund 28 Prozent Anteil am Verzehr ganz vorne, so der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, gefolgt  vom Mischbrot (circa 25 Prozent) und von Broten mit Körnern und Saaten (rund 14 Prozent).

Lebensmittel mit Geschichte
Die Geschichte des Brotes begann nach Angaben der Deutschen Innungsbäcker vor mehr als 10.000 Jahren: als Menschen anfingen, Gerste, Roggen, Hafer, Hirse und Dinkel anzubauen. Sie zerrieben die Körner zwischen zwei Steinen und verrührten das Mehl mit Wasser zu einem Brei. Das erste Brot im klassischen Sinne wurde vermutlich vor rund 6.000 Jahren im alten Ägypten erfunden. Von dort aus erreichte die Backkunst Griechenland und das Römische Reich. Die Römer bauten auch die ersten großen Mühlen, die das Zermahlen des Korns vereinfachten.

Immer mehr Rezepte zum Brotbacken entstanden, man entdeckte neue Getreidesorten wie den Roggen. In Deutschland entwickelte sich eine vielfältige Brotkultur, weil das Land im Mittelalter aus vielen unabhängigen Städten und Herzogtümern bestand. Lange war Brot auch ein wichtiges Zahlungsmittel – man erhielt seinen Lohn in Form von Brot. Übrigens galt das Lebensmittel auch als Statussymbol: Brot aus weißem Mehl war den Reichen vorbehalten, während arme Menschen die dunkle Variante aßen.

Von warmen Semmeln und geschnitten Brot
Wie wichtig das Brot für unseren Alltag ist, zeigt sich auch im Sprachgebrauch: Wer sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, kann sich durchsetzen. Wer hingegen kleine Brötchen backt, traut sich wenig zu. Das mag sich ändern, wenn man etwas gebacken kriegt. Das ist nicht zu verwechseln mit jemandem, der erst noch gebacken werden muss. Wenn etwas besonders begehrt ist, geht es weg wie warme Semmeln oder geschnitten Brot.

Mit Jesus am Tisch
Im Leben Jesu spielt das Brot eine wichtige Rolle. Über sich selbst sagt er im Johannes-Evangelium: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ (Joh 6,35). Immer wieder lädt Jesus seine Anhänger, aber auch seine Widersacher zur Tischgemeinschaft ein. Am Abend vor seinem Tod feiert er mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl. 

In der Kirche wird bei Messfeiern heute noch daran erinnert: Brot in Form einer Hostie und Wein werden im sogenannten Sakrament  der Eucharistie verwandelt in Christi Leib  und Blut. Das ist der Kern des christlichen Glaubens. Deshalb ist die Erstkommunion von Kindern ein besonderer Anlass zum Feiern, wenn sie zum ersten Mal das heilige Brot, den „Leib Christi“, empfangen dürfen – so wie in diesem Frühling wieder in vielen Pfarreien im Bistum Essen.

Die Knifte unter Tage
Die harte Arbeit im Bergbau früher machte hungrig. Aber unter Tage gab es keine Kantine. Deshalb gehörte dort die Knifte oder Stulle, das Butterbrot des Bergmanns, zum Alltag. „Das Brot  hat eine starke Tradition im Ruhrgebiet“, erklärt Michael Bartilla, Geschäftsführer der Bäckerinnung Ruhr mit Sitz im Haus des Bäckerhandwerks in Bochum. „Die Stulle gab Energie für die harte Arbeit, schmeckte gut, war günstig und transportabel.“ Heute stellt Michael Bartilla eine regelrechte Renaissance des Brotes fest, die Menschen seien wieder bereit, für Qualität mehr auszugeben. 

Fronleichnam
In katholisch geprägten Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen ist Fronleichnam ein Feiertag. Er wird immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten begangen, 2026 also am 4. Juni. Der Begriff stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet: der lebendige Leib des Herrn. Dieser „Leib Christi“ in Gestalt des Brotes wird Fronleichnam in einer feierlichen Prozession durch die Straßen getragen.

„Der Geruch des Brotes ist der Duft aller Düfte. Es ist der Urduft unseres irdischen Lebens, der Duft der Harmonie, des Friedens und der Heimat.“
Jaroslav Seifert, Schriftsteller und Träger des Nobelpreises für Literatur

 

 

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