So engagiert sich der Ex-Fußballprofi

BENE: Herr Metzelder, erstmal herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum: Ihre Stiftung feiert im November Zehnjähriges! Neben der Bekämpfung von Kinderarmut fördern Sie Projekte in den Bereichen Bildung und Ausbildung.

Metzelder: Das Thema Kinderarmut ist vielschichtig. In allen Industrienationen gibt es eine Spreizung zwischen Arm  und Reich, das ist nicht nur ein deutsches Phänomen. Dazu kommen die vielen Flüchtlingskinder. Deshalb haben wir leider Gottes eine Großzahl junger Menschen, bei denen nicht klar ist, dass ihr Lebensweg nach der Schule in eine Ausbildung und in ein geregeltes Leben übergeht, und das ist auf einer mensch- lichen, christlichen Ebene eine große  Ungerechtigkeit.

BENE: Sie bieten in Stadtteilen, die besonders von Armut betroffen sind, außerschulische Angebote an. Wie motiviert sind die Kinder, die vermutlich eher aus bildungsfernen Familien stammen?

Metzelder: Es ist schon kurios. Die, die am wenigsten mitbringen, haben die größte Motivation, aus ihrem Leben etwas zu machen, wenn man sie unterstützt und begleitet. Da ist natürlich die Funktion der Sozialarbeiter und der Einrichtungsleiter wichtig. Das sind die Bezugs- und Vertrauenspersonen. Wenn man zehn Jahre zurückblickt, sind viele Kinder darunter, die wir schon sehr lange begleiten. Ein Beispiel: Eine junge Frau aus Essen, die den Don-Bosco-Club in Essen-Borbeck besucht hat, arbeitet heute als Architektin.

BENE: Welches Projekt hat Sie bisher  am meisten berührt?

Metzelder: Ich war vor kurzem im Petershof in Duisburg/Marxloh. Pater Oliver, der dort, wie alle anderen Helfer auch, fantastische Arbeit leistet, hat mir einen Raum gezeigt, in dem es eine medizinische Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung gibt. Wenn man in den Raum hineingeht und ausblendet, dass wir uns in einer der größten Industrienationen der Welt befinden, könnte man meinen, wir seien in einem Kriegsgebiet. Eine improvisierte Krankenstation mitten in Deutschland, unglaublich. Diese Einrichtungen sind in ihren Stadtteilen wahre Leuchttürme.

BENE: Wie waren Sie selbst als Schüler? 

Metzelder: Ich bin Lehrerkind, das sagt alles, oder? („Lacht“). Meine Brüder und ich haben alle ein ordentliches Abitur, zwei meiner Brüder sind Ärzte. Ich komme aus einem familiären Umfeld, in dem man nicht nur lernt, das eigene Leben zu gestalten. Man lernt, dass es darüber hinaus viele Menschen auf der ganzen Welt gibt, denen es nicht so gut geht.

BENE: Inwiefern hat Sie Ihre katholische Erziehung geprägt?

Metzelder: Die hat mich schon sehr geprägt. Ich war in Haltern ja sogar  dem damaligen Kaplan und heutigen Bischof Franz-Josef Overbeck Messdiener, habe die Kirchenzeitung ausgetragen. Ich gehe nicht regelmäßig zur Kirche, aber wenn ich dort bin, genieße ich das immer sehr. Allein diese Ruhe, diese spirituelle Kraft, die dort herrscht. Der Glaube hat mir auch die nötige Demut geschenkt, um zu begreifen, dass ich als Profi-Fußballer zwar in einem tollen Geschäft tätig bin, dass das aber eine zeitlich begrenzte Parallelwelt ist.

BENE: Sie haben 2013 Ihre Karriere als Fußballprofi beendet. Seitdem haben Sie nicht nur eine sehr erfolgreiche Stiftung, Sie haben auch eine Sportmarketingagentur mitgegründet. Der Leistungsdruck ist tief in Ihnen verankert, oder? 

Metzelder: Das stimmt, Leistungsdruck ist noch da. Das ist eine innere Haltung, um maximalen Erfolg zu haben. Auch als aktiver Profifußballer habe ich diesen Druck nie ablegen können. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass man einfach mehr über Dinge nachdenkt, man ist sich der Konsequenzen der Fehler in aller Deutlichkeit bewusst. Es geht also vor allem da- rum, mit der Anspannung und den eigenen Versagensängsten klarzukommen.

                           Das Gespräch führte Kathrin Brüggemann