Heisser Draht nach oben

Es ist ja nicht so, dass Kirche in Funk und Fernsehen nicht vorkäme. Doch hier ist eine neue, eine andere Generation am Werk: Seit Februar geht „Radio Ruhrlife“ immer am 1. eines Monats auf Sendung. Radio Ruhrlife, das sind knapp 20 (hauptsächlich) junge Menschen aus der Pfarrei St. Lamberti, die das erste Webradio in Gladbeck ins Leben gerufen haben. Wobei „Radio“ ist – soviel ist jetzt schon klar  – nur der Vorname.

Die Themen sind so vielfältig wie die Jung-Redakteure. Die Identifikation fasst Ulrich Völker, einer der Ehrenamtskoordinatoren, die das Projekt begleiten, so zusammen: „Das Wichtigste ist, an das Gute im Menschen zu glauben. Hier kann jeder mitmachen. Wurscht, ob er katholisch, evangelisch oder sonstwas ist.“ 

Das Radio- und Video-Team aus Gladbeck hat schon einiges redaktionell angepackt: Ob es um Martin Luther King ging, ob um Flüchtlinge, ob um die Aufzeichnung der Matthäuspassion, ob um die Diskussionen zum Ausbau der A52 oder den gelebten Umweltschutz in Gladbeck. „Wir gehen einfach mit offenen Augen durch die Welt“, sagt Jung-Reporter  Danny-Tristan Bombosch. Moderator Jörg Primus ergänzt: „Und die Leute hier merken, dass wir authentisch sind. Sie begegnen uns ebenso offen.“ Den größten Einsatz hatte das Team im März, als es um den Radiowettbewerb „WDR für eine Stadt“ ging. Ganz Gladbeck auf den Beinen und  Radio Ruhrlife mittendrin. „Da haben wir die Moderatorin Steffi Neu und den Komiker René Steinberg interviewt.“ Jetzt fiebern alle dem 10. September entgegen. Denn Gladbeck hat gewonnen, darf den Tag des WDR ausrichten. „Jetzt wollen wir natürlich Top-Act Sarah Connor interviewen.“

Radio Ruhrlife ist ein Projekt – initiiert von den Ehrenamtskoordinaoren des Ruhrbistums im Rahmen des Zukunftsbild-Prozesses. Doch es steckt schon voller Profession. Es gibt einen Webauftritt, Audio- und Videobeiträge als Podcasts zum Runterladen, einstündige moderierte, mit Beiträgen und Musik garnierte, live gesendete Formate – und sogar eigene Jingles und Musikstücke. Bombosch hat sie komponiert. Sein Traum ist es, einmal Filmkomponist zu werden. Am besten in Hollywood, so wie sein Vorbild, Oscar-Preisträger Hans Zimmer. Zunächst heißt es aber: Weiter am „heißen Draht nach oben“ zimmern und gerne auch andere Pfarreien für das Projekt gewinnen. „Wir können auch für andere Beiträge und Radio machen“, so Völker. Er sieht den Websender längst als das, was der Name vorgibt: „Radio Ruhrlife – wir denken schon über Gladbeck hinaus ...“   Abrufbar unter www.radioruhrlife.de

Text: Jutta Laege