WER HILFT BEI SUCHTPROBLEMEN?

Es ist ein Thema, das viele betrifft und über das doch kaum jemand redet. Umso wichtiger, dass es auch im Bistum Essen eine Beratungsstelle gibt, an die sich Mitarbeiter und Angehörige jederzeit anonym wenden können. Wir haben mit Pia Jörling, Psychologin und Mitglied der neuen Suchtberatung, gesprochen.

Liebe Frau Jörling, Sie gehören zum Team der neuen Suchtberatung im Bistum Essen. Stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Pia Jörling: „Ich bin Psychologin bei der Firma Nord-Kurs und verantwortlich für den Bereich Arbeit und Gesundheit. Die Firma Nord-Kurs ist der externe Suchtbeauftragte des Bistums. Ich kümmere mich dort unter anderem um die Bearbeitung und Koordinierung von Anfragen und die Vermittlung an unsere Psychologen.“

Wie sind Sie für die Mitarbeiter des Bistums Essen erreichbar?

Pia Jörling: „Alle Mitarbeiter des Bistums, ob Kollegen, Führungskräfte oder Angehörige von Kollegen, können sich unter der Telefonnummer 040/429301243 an mich wenden. Ich bin zwischen acht und 17 Uhr zu erreichen. Ich sitze zwar in Hamburg, aber die zuständigen Psychologen sind in Essen vor Ort. Für die vertraulichen Sitzungen nutzen sie die Räumlichkeiten der Firma Nord-Kurs in Essen oder auch an anderen Standorten.“

Wie merke ich, dass mein Kollege betroffen sein könnte?

Pia Jörling: „Je nach Suchtart ist dies unterschiedlich. Jede Abhängigkeit zeigt körperliche und psychische bzw. soziale Auswirkungen. Diese Symptome (wie zum Beispiel zitternde Hände oder Unruhe und geringe Konzentrationsfähigkeit) sind aber bei jedem Betroffenen unterschiedlich ausgeprägt und lassen sich nicht immer eindeutig einer Abhängigkeit zuordnen. Genauso können auch andere Erkrankungen dahinterstehen. Deshalb ist eine fachmännische Beratung in Bezug auf das Thema Sucht so wichtig. Neben den stoffgebundenen Abhängigkeiten wie Alkohol- oder Drogensucht gibt es auch ungebundene Abhängigkeiten wie Kauf- oder Spielsucht (in der Wissenschaft als Oniomanie und Pathologisches Spielen bezeichnet). Weitere Infos zu den verschiedenen Suchtarten und zu den Anzeichen einer Sucht vermitteln die Beratungen und die Seminare der Suchtberatung. Bislang wurden 4 Veranstaltungen umgesetzt. Es folgen noch zwei weitere: für Mitarbeiter am 12. Mai und für Führungskräfte am 19. Mai, jeweils von 9 bis 13 Uhr. Die Anmeldung läuft über Herrn Benjamin Hoffmann (0201 2204 -446).“

Warum ist es für viele Betroffene schwer, sich Hilfe zu holen?

Pia Jörling: „Sucht ist ein ganz sensibles Thema, dementsprechend ist es entscheidend, dass Vertrauen zu den Kontaktpersonen besteht. Deshalb versuchen wir, die Suchtberatung bekannter zu machen. Die Beratung läuft bei uns komplett anonym ab, es werden keine persönlichen Daten oder Namen weitergegeben. Die Gespräche können telefonisch oder persönlich ablaufen, je nachdem, wie es gewünscht wird.“

Was können Ihre Kollegen für Betroffene und Angehörige tun?

Pia Jörling: „Die Suchtberatung ist eine Beratung und keine Therapie, das heißt, es wird eine erste Unterstützung geboten, um beispielsweise die Wartezeit bis zum Therapiebeginn zu überbrücken. Konkret leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe. Durch unsere Psychologen bekommen Betroffene und Angehörige die Chance, ihre Situation zu reflektieren. Außerdem erhalten sie Informationen zur Wirkweise von Suchtmitteln und zu sozialen und körperlichen Auswirkungen. Zusammen werden dann Maßnahmen und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. Neben der Unterstützung der Hilfesuchenden im Gesundheitsprozess werden auch weitere Therapievarianten vermittelt, zum Beispiel der Besuch einer Tagesklinik.“

Kontaktdaten:
Pia Jörling, M. Sc. Wirtschaftspsychologie
Arbeit & Gesundheit
Nord-Kurs GmbH & Co. KG
TÜV NORD GROUP
Lilienstraße 15
20095 Hamburg

Tel.: 0404 2930-1243
Mobil: 0160 888-1102
Fax: 040/4293012-3
E-Mail: pjoerling@nord-kurs.de
Internet: www.nord-kurs.de

Sie sitzen rund um die Uhr am Telefon und hören zu: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Suchtnotrufs Essen e. V. BENE besuchte Leiterin Natalie Steinert und ihren Kollegen Detlef Krüger und sprach mit ihnen über ihren herausfordernden Job.

Wieder süchtig nach Leben