Ein etwas anderer Müttertag

Das nennen wir mal Familienplanung mit System! Melanie Kröger aus Essen-Katernberg fiel die einzigartige Mütter-Töchter-Konstellation auf, als mal wieder obligatorische Familien-Fotos gemacht werden sollten: Ihre Tochter Justine war da gerade geboren. Sie selbst war 22 Jahre alt, ihre Mutter Erika Kuhlmann 44,  ihre Oma Waltraud Sterzl 66 ...

Das muss an den Genen liegen! Denn die Geschichte geht noch weiter: Melanies Tochter Justine Kröger machte es jüngst genauso: Sie wurde Mama, mit knapp 22. Die Altersfolge lautet in diesem Jahr demzufolge einmalig: 88–66–44–22. Vier Generationen, vier Mütter – Action und Aufregung am laufenden Band. „So was wie uns gibt‘s sicher nicht noch mal“, lachen die Vier. Allerdings ist jetzt erst mal Schluss mit der munteren Mütter-Vermehrung. Justine schlug etwas aus der Art: Ihr Kind ist ein Junge. Die Krögers, Kuhlmanns und Sterzls nehmen‘s mit Humor: Der kleine Finn kann ja in 22 Jahren die männliche Reihe aufmachen.

 

Wie sie ihr Müttersein erleben und erlebt haben, wollen wir wissen. Und schnell wird ein kleines Stück Ruhrpott-Nostalgie daraus. Ururoma Waltraud hatte sechs Kinder großzuziehen. Ihr Mann war tagsüber im Bergbau und nachts auf dem Großmarkt im Einsatz. „Wir mussten die Groschen zusammenhalten“, erinnert sie sich. Tochter (und Uroma) Erika musste sich als ältestes Mädchen gegen vier Brüder und eine Schwester durchboxen. „Ja, wir wurden autoritär erzogen“, sagt sie. „Das war damals so.“ Ihre Mutter war jedenfalls alles andere als begeistert, dass Erika sich mit 14 schminkte, mit 16 Miniröcke trug und die Beatles anhimmelte. „Ich war sogar beim einzigen Konzert in der Grugahalle 1966!“ Dass sie dann auch recht früh Mutter wurde, empfindet sie als Glück. „Man war da unbeschwerter.“ Tochter (und Oma) Melanie pflichtet ihr bei: „Mit 22 ist es einfacher. Man ist näher dran an der eigenen Kindheit.“

 

Als Freundin ihrer Tochter ist aber keine der Mütter durchgegangen. Als Mutterersatz schon eher. Justine weiß, dass sie sich auf ihre „Mudda“ Melanie hundertprozentig verlassen kann. „Sie ist sehr fürsorglich und flexibel.“ Und Melanie gibt das Kompliment gleich an ihre „Mama“ Erika weiter: „Vor allem als die Kinder klein waren, war sie immer für uns da. Man kann mit ihr auch über alles reden.“ Und Erika  sagt über ihre „Mutti“ Waltraud ebenfalls: „Sie war immer da, wenn man sie brauchte.“ Heute gibt sie ihrer Mutter so viel wie möglich davon zurück. Regelmäßig fahren sie zusammen weg, gerne auch zum Tanzen nach Sassendorf. „Und mittwochs mach‘ ich ihr die Haare und dann wird gekniffelt“, lacht sie.

 

Ob sie die vierfache Geburtstagsschnapszahl feiern werden, ist noch nicht ganz klar. Der Muttertag am 8. Mai wäre dafür ein gutes Datum, allerdings gibt es da schon andere Termine. „Wir leben natürlich auch jeder unser eigenes Leben“, erklärt Melanie. Immerhin: Ururoma Waltraud ist ganz geschickt, die Familie oder zumindest Teile von ihr regelmäßig zusammen zu bekommen. „Dann lädt sie uns zum Essen ein. Und ihr Sonntag ist gerettet,“ erzählt Erika. Die alte Dame lächelt: Ja, natürlich, dankbar sei sie, dass alle in der Nähe lebten, in Essen und Gelsenkirchen. „Das ist ja heutzutage auch nicht immer so!“ Tochter, Enkelin und Urenkelin können da nur beipflichten. „Mal abgesehen davon, dass es bei uns meistens lustig zugeht, ist doch der gegenseitige Respekt das Wichtigste“, meint Erika. Und aus Müttersicht spricht der ganze Stolz aus ihr: „Es ist ja aus uns allen was Anständiges geworden. Und die Kinder sind ja schließlich der Sinn des Lebens, wofür macht man das denn sonst alles?“

Text: Jutta Laege