Eine eigene Familie war mir leider nicht vergönnt

BENE: Die „Lindenstraße“ feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum.

Marjan: Das ist unglaublich! Viele junge Leute kommen auf mich zu und sagen: „Ach, Mutter Beimer, mit Ihnen bin ich groß geworden.“ Ich habe gar nicht das Gefühl, dass es schon 30 Jahre sind.

 BENE: Warum ist die Serie so beliebt?

Marjan: Sicher auch, weil sie nach wie vor gesellschaftsrelevante Themen aufgreift und auch Werte wie Gastfreundschaft, Liebe, Verlässlichkeit, Vertrauen und Glaubwürdigkeit abbildet.

 BENE: Welchen Wert hat der Glaube in Ihrem Leben?

 Marjan: Einen sehr hohen. Es ist der Glaube, der den Menschen festigt, der ihm einen Rahmen gibt, eine Art Geländer. Ohne Glauben kann der Mensch nicht leben, weil er dann orientierungslos ist. Wir sollten in unserer globalen Welt alle Glaubensrichtungen schätzen und respektieren.

BENE: Auch in der Flüchtlingsthematik?

Marjan: Es muss ein Miteinander geben. Wenn man Gast in diesem Land ist, kann man so ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft werden. In der „Lindenstraße“ leben viele Nationen Seite an Seite.

BENE: In Ihrem Buch „Ganz unerwartet anders: Ich suchte meinen Vater und fand eine Großfamilie“ schreiben Sie über Ihren Bruder, den Sie erst mit 67 gefunden haben.

 

Marjan: Meine Mutter hatte mich zur Adoption freigegeben. Mit einem Jahr bin ich zu Pflegeeltern gekommen. Meinen Vater kannte ich nicht und wusste auch nichts von irgendwelchen Geschwistern. Deshalb war die Überraschung umso größer, als ich erfuhr, dass ich einen Bruder habe. Günter und ich schreiben uns regelmäßig, um uns besser kennen zu lernen. 

BENE: Was ist mit Ihrem Vater passiert?

Marjan: Unsere Recherchen hatten ergeben, dass er im Zweiten Weltkrieg als Pilot im Nachtgeschwader geflogen ist. Leider ist er 1943 mit 28 Jahren den Fliegertod gestorben.

 BENE: Wie haben Sie erfahren, dass Sie adoptiert sind?

Marjan: Ich war 16. Eine Schülerin, die in der Unterstufe neu zu uns in die Klasse kam, sagte mir, dass ich keine „richtigen“Eltern hätte. Das war ein Riesenschock. Eine Tante erzählte mir dann, dass meine leibliche Mutter nach Kanada ausgewandert sei. Sie machte es möglich, dass ich meine Mutter ein paar Mal getroffen habe, aber wir blieben uns fremd. Heute verstehe ich, warum sie mich weggegeben hatte. Sie hatte es sehr schwer, es war ja Krieg. Mein Herz hat ihr verziehen.  

BENE: Helga Beimer ist sehr familienbezogen. Wie ist das bei Ihnen?

Marjan: Ich habe doch Familie: die Freundesfamilie, die Filmfamilie und seit einiger Zeit auch die Blutsfamilie. Und darüber hinaus habe ich auch noch Patenkinder in der ganzen Welt. Mir persönlich ist es aus unterschiedlichen Gründen nicht vergönnt gewesen, eine eigene Familie zu gründen. Mein Leben gehört der Schauspielerei. Man sollte es akzeptieren, dass auch eine Frau ein selbstbestimmtes Leben führt.

BENE: Sie sind in Essen geboren, in Hattingen aufgewachsen und leben jetzt in Köln. Sind Sie noch oft im Ruhrgebiet? 

Marjan: Wenn meine Drehtermine es erlauben, versuche ich, die Einladungen von Ludger Stratmann ins Essener Stratmann Theater anzunehmen. Darüber hinaus gibt es noch etwas ganz Neues: Im Elisabeth-Krankenhaus, in dem ich geboren wurde, wird bald ein Zimmer auf der Kinderstation nach mir benannt. Darüber freue ich mich sehr. Als ich vor Kurzem dort war, habe ich den erst zwei Tage alten Leonard im Arm gehalten. So ein süßes Kerlchen! Am liebsten hätte ich ihn gleich mitgenommen.  

BENE: Wie verbringen Sie Weihnachten?

Marjan: Mit meinen Lieben. Der Besuch der Mitternachtsmette gehört zum Weihnachtsfest dazu. Es ist ja die Geburt Christi, die wir feiern. Natürlich gibt es auch etwas Gutes zu essen. 

Interview: Kathrin Brüggemann